Der Mediengipfel der Geschmackslosigkeit

CC-by-sa ethify.org & rasos
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Die Kronen Zeitung veröffentlicht am 28. August 2015 ein Bild des LKWs mit 71 Opfern des Schlepperdramas von Parndorf. Zwar wurde ein Teil der Aufschrift retuschiert, nicht jedoch der Einblick in die halb geöffnete Türe, so dass Leichenteile zu sehen waren (hier nachträglich verpixelt). Die Krone Zeitung erntete dafür heftige Kritik und zahlreiche Beschwerden gingen beim Österreichischen Presserat ein. Die Entscheidung zur Veröffentlichung sei eine gemeinsame Entscheidung der Chefredaktion gewesen, um die Menschen wachzurütteln. Das selbe Foto wurde von der Bild Zeitung übernommen. Das Foto kommt vermutlich aus Polizeikreisen, die Staatsanwalt ermittelt dazu.

In der Medienethik gilt klar der Grundsatz des Opferschutzes: Opfer dürfen nicht abgebildet gezeigt werden. Neben der eigentlichen Tragödie, die eine menschenwürdige Zurückhaltung der Medien erfordert, ist eine zusätzliche Traumatisierung der Angehörigen zu verhindern.

Auch das deutsche Satiremagazin "Der Postillon" geht in dieser Frage zu weit. Die weltweite Betroffenheit in diesem Fall ins Lächerliche zu ziehen ist mehr als geschmackslos. Beim Lesen des lustig gemeinten Artikels zur Versenkung des LKWs im Mittelmeer, um den Schandfleck aus der Geschichte Österreichs zu entfernen, bleibt einem das Lachen im Hals stecken.

Eine Verkaufsförderung auf dem Rücken der Schaulust an Tragödien ist schlicht zu verurteilen, egal ob Boulevard, Magazin oder Satire.

 

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