Die drei Ökologien

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Félix Guattari beobachtet aus dem Blickwinkel eines Psychonalytikers das Weltgeschehen. In einem Text aus dem Jahre 1989 entwirft er das Konzept der Ökosophie - eine ethisch-politische Verbindung zwischen den drei ökologischen Bereichen von Umwelt, sozialen Beziehungen und menschlicher Subjektivität. Nur die Ökosophie sei in der Lage, aktuelle Herausforderungen zu meistern.

Auf Umweltkrisen wird es vor allem Antworten in planetarischem Massstab geben müssen.

Die soziale Ökosophie erfordert eine Weiterentwicklung von Seinswwesen, bei der Paarbildung, in der Familie, im urbanen Raum oder ind er Arbeit. Die Gesamtheiten des Gruppendaseins und seiner Modalitäten ist neu aufzubauen, und zwar nicht nur durch einfache kommunikative Eingriffe, sondern durch existentielle Umwandlungen, welche das Wesen selbst betreffen.

Die mentale Ökosophie wird sich den Fragen des Lebens neu stellen, die Beziehungen des Subjekts zum Körper, zur Lebenszeit, zu den Mysterien zum Leben und Tod.

"Und wenn eine solche ökosophische Erneuerung (wie auch immer man sie nennen möge) ausbleibt, wenn die drei fundamentalen Bereiche der Ökologie nicht neu miteinander verbunden werden, ist der Anstieg aller Gerfahren leider vorherzusagen: des Rassismus, des religiösen Fanatismus, der nationalen Schismen und ihres ABgleitens in reaktionäre Abschließungstendenzen, der Ausbeutung durch Kinderarbeit, der Unterdrückung der Frau..." [S. 22]

Meerestiere aber auch wir Menschen gewöhnen uns nur zu gut an sich verändernde Umgebungen. Etwa die "Wucherungsfreiheit, welche Leuten wie Donald Trump gewährt wird, der sich ganze Quartiere von New York, Atlantic City und so weiter bemächtigt, um sie zu "renovieren", die Mieten zu erhöhen und bei dieser Gelegenheit Zehnzausende armer Familien zu vertreiben, die mehrheitlich dazu verdammt sind, "homeless" zu werden, [...].[S. 34f]

Der "Weltweit integrierte Kapitalismus" (WIK) dehnt sich extensiv auf alle Bereiche des sozialen, ökonomischen und kulturellen Lebens des Planeten aus und dringt auch in unsere subjektivsten, unbewussten Schichten vor. Dieser Macht kann man sich nicht nur mehr nur von außen, mittels traditoneller gewerkschaftlicher und politischer Praktiken entgegenstellen. Wir müssen der Wirkung des WIK auch auf dem Gebiet der mentalen Ökologie entgegentreten, "mitten im täglichen individuellen, häuslichen, ehelichen, nachbarlichen, schöpferischen und persönlichen ethischen Leben." [S. 43]

Das kapitalisches Subjekt ist umgarnt von medialisierten Ritualen und betäubt sich in einem kollektiven Gefühl der Pseudo-Ewigkeit. Um dem zu entkommen, werden neue ökologische Praktiken diese Subjekte prozessual aktivieren müssen.[S. 44] Neue mikro-politische und mikro-soziale Praktiken werden sich einspielen, neue Solidaritäten, auch neue analytische Praktiken zur Erschliessung des Unbewussten. Nur so kann die andauernde Gleichgewichtsfindung im UNiversum der kapitalistischen Semiotiken durchbrichen werden. Die einzelnen Kulturen müssen sich entfalten, die Ausnahme und Seltenheit wird zur Regel, und dazu benötigt es eine leichtgewichtige Staatsordnung, die dieser Vielfalt auch Raum lässt.

"Die Öko-Logik gebietet nicht mehr, die Gegensätze 'aufzulösen', wie dies die hegelianischen und marxistischen Dialektiken verlangen." [S. 46] Eher geht es bei Guattari darum, gemeinsame Ziele zu setzen und Menschen zu aktivieren, sich dafür einzusetzen, im Kollektiv oder individuell.

Es geht bei Guattari also darum, neue Formen des Zusammenlebens, Engagements und AKtivismus zu entwickeln: "Die spontane soziale Ökologie arbeitet an der Bildung von existentiellen Territorien, welche die alten rituellen und religiösen Raster des Sozius so gut es eben geht ersetzen." [S. 63] Also nur duch ein Abstreifen bestehender Muster, auf allen drei Ebenen der Ökosophie, wird sich der WIK überwinden lassen.

Félix Guattari: Die drei Ökologien. Passagen Verlag 2012, Wien (Original 1989).

Rezension von Roland Alton

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