Verlorene Werte? Medien und die Entwicklung von Ethik und Moral

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Vom Wert und Unwert der Werte (Alexander Grau)

Eigentlich spricht ja nichts gegen Werte. Werte sind Maßstäbe, sie geben Orientierung und machen so das Leben leichter. Und wenn sie zu mühsam werden und zu lästig und uns eher behindern als führen, dann darf man sie auch mal nicht ganz so wichtig nehmen. Das ist ja das Schöne an den Werten, dass sie so ausgesprochen pflegeleicht sind.

Nun gut, könnte man sagen, Menschen sind halt nicht perfekt. Deshalb wurden sie auch sehr zu Recht aus dem Paradies verbannt. Aber das spricht nicht gegen Werte. Im Gegenteil:
Gerade Werte als permanente Orientierungshilfe sorgen dafür, dass wir bei aller moralischer Mittelmäßigkeit, die uns zu eigen ist, nicht endgültig den Pfad der Tugend verlassen. Damit Werte aber als Moral-GPS funktionieren können, müssen sie dauerhaft auf Sendung sein, und das bedeute in diesem Fall: permanent kommuniziert werden.

Werte sind einfach nützlich. Sie sind eine Form der Sprachregelung in komplexen Gesellschaften, die keine gemeinsame Sprache mehr haben. Werte, die Verständigung, Miteinander und Kommunikation infrage stellen, sind auf Dauer nicht haltbar und degenerieren bestenfalls zu rigiden Normen.

Der Mensch ist jedoch erst einmal ein Individuum, das über sein eigenes Leben entscheiden muss – und die Leitlinien mittels derer er das tut, kann er nicht an die Gesellschaft delegieren. Hier liegt das Problem. Der Mensch braucht als Einzelner zunächst Direktiven für ein gelingendes Leben, er braucht, wie die antiken Philosophen betont hätten, Tugenden.

Werte sind einfach. Tugenden sind da schon ein bisschen anspruchsvoller. Ohne Tugenden sind Werte schal, schon allein deshalb, weil es immer etwas albern aussieht, große Worte über das Elend der Welt und seine gesellschaftlichen Ursachen zu verlieren, das eigene Leben aber mit einer gewissen normativen Selbsttoleranz und Großzügigkeit anzugehen.  

Gegen den Hunger in der Welt zu sein oder für mehr Gerechtigkeit, ist ja eine feine Sache und gibt einem vermutlich auch das befriedigende Gefühl, auf der richtigen Seite zu stehen. Allerdings sind solche Haltungen auch bequem und äußerst wohlfeil. Etwas anstrengender ist es schon, ein an persönlichen Normen ausgerichtetes Leben zu frühen.

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