Wachstum - Konkurrenz

Ein Gedanke, der mir wichtig erscheint: letzthin war ich (Musiker, Produzent) in meinem Executive MBA Kurs in General Management und ein Referent, der über Vergütungssysteme sprach, warf in den Raum "der Wunsch nach mehr ist ein menschliches Grundbedürfnis". Ich glaube, er hat recht, oder, er hat in vielen Fällen recht. Viele Menschen haben einen ungemeinen Antrieb zu expandieren, zu wachsen. Für die ist die Reduktion, das langsamer werden und leben keine Option (anderen fällt das leichter). Ich bin einer von denen. Für mich klingen Aufrufe nach Reduktion und Verlangsamung bedrängend und bedrohend. Das entspricht nicht mir. Aber: die wesentliche Frage scheint mir, in welchem Feld permanentes Wachstum und der Wunsch nach "mehr" stattfindet. Der besagte Referent kann sich dies nur im Bereich von Geldvergütungen vorstellen, was in verschiedener Hinsicht problematisch ist - zum Beispiel dadurch, dass Geld leicht in unakzeptable Konsumation und Verschwendung wertvoller begrenzter natürlicher Ressourcen umwandelbar ist. Ich plädiere dafür, den Drang vieler Menschen nach permanentem Wachstum und Expansion nicht zu entwerten, wie ich es hier manchmal wahrnehme. Sondern ihn als positive kreative Kraft zu verstehen, die in Bereichen gelebt werden sollen, wo Ressourcen unendlich sind. In der Kunst beispielsweise, in der Musik, in der Literatur, in der Philosophie - dort wo die inneren unbegrenzten Ressourcen ungehemmt angezapft und nochmals erweitert werden können. 

Damit dies aber auch gesellschaftlich relevant werden kann, müssen die Kennzahlen stimmen: das Wachstum in Feldern, die begrenzte natürliche Ressourcen aufbrauchen, muss stark eingeschränkt werden und letztendlich auf Null zurückgehen. Und soziale und kreative Wertkreation muss in den wesentlichen Kennzahlen repräsentiert sein (und dies wird kaum in Geldwert ausgedrückt werden können, sondern in andern Metrics) was sie noch überhaupt nicht tun.

Auch in der Diskussion um "Konkurrenz" beschleicht mich gelegentlich ein leichtes Unbehagen. Wenn für mehr Kooperation statt Konkurrenz plädiert wird, kann Entwertung von allem, was mit Konkurrenz zu tun hat mitschwingen. Meiner Meinung nach ist das problematisch: die Lust am spielerischen sich Herausfordern und sich aneinander Messen ist im Menschen angelegt, bei manchen ausgeprägter als bei andern, und ist ernst zu nehmen und positiv zu bewerten. Aber: während die besten Firmen und high-performance teams in allen Sparten es verstehen, eine gute Balance von Kooperation und Wettbewerb zu finden - da wurde der sinnvolle Begriff "coopetition" kreiert - ist diese Balance im der ultraliberalen Marktwirtschaft gar nicht vorhanden. Die Finanzkrise führte zwangsläufig zu mehr Kooperation, aber die Balance ist noch nicht erreicht, scheint mir.

Ich rege an, Wachstum und Konkurrenz postiv zu bewerten - aber Wachstum dort, wo die Ressourcen unbegrenzt sind und Konkurrenz in gesunder Balance mit Kooperation.

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