Was man für Geld nicht kaufen kann - Die moralischen Grenzen des Marktes (Michael J. Sandel)

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Michael J. Sandel geht in seinem Buch der Frage „Was man für Geld nicht kaufen kann“ auf den Grund. Die Originalausgabe erschien 2012 unter dem Titel „What Money Can’t Buy“ bei Farrar, Straus und Giroux, New York. Sandel bekräftigt in seinem Buch seinen Standpunkt, dass wir heutzutage nicht alles für Geld kaufen sollten. Es soll eine Warnung sein, damit es in Zukunft noch Dinge gibt, die man nicht kaufen kann.

Märkte und Moral. Sandel appelliert an uns und an unsere Gesellschaft, darüber nachzudenken was wir bereits heute schon alles ein- und verkaufen. Er fragt nach den Grenzen der Märkte, da diese sich schon in Lebensbereiche ausgedehnt haben, in denen sie nichts zu suchen haben. Für diese Situation gibt es laut Sandel zwei Gründe: Dies ist zum einen die Ungleichheit: Menschen mit bescheidenen Mitteln haben es in einer Gesellschaft, in der alles käuflich ist, sichtlich schwerer. Zum anderen ist dies die Korruption: D.h. sobald Dinge zu Gütern gemacht werden, können diese korrumpiert werden und Werte der „Ware“ ändern. Werden z.B. Kinder für das Lesen bezahlt, lesen sie vielleicht mehr. Die Sinnhaftigkeit und der Wert des Lesens werden hierdurch jedoch verändert. Unsere Gesellschaft entwickelt sich von einer Marktwirtschaft zu einer Marktgesellschaft, so Sandel.

Das Geschäft mit dem Tod. In diesem Kapitel erläutert Sandel unterm anderen ob es moralisch vertretbar ist „Geschäfte mit dem Tod“ abzuschließen. Er meint damit sogenannte „janitor’s insurance“ (Putzfrauenversicherungen), bei welchen ein Arbeitgeber nicht nur auf seine CEO’s sondern auch auf sein Fußvolk Lebensversicherungen abschließt und dies ohne Wissen des Versicherten. Dies ist moralisch insofern bedenklich, weil der Arbeitgeber, wenn auch nur indirekt, ein lukratives Interesse am Ableben seiner Mitarbeiter entwickelt und dies zu eventuellen Vernachlässigungen der Sicherheit am Arbeitsplatz führen kann. Infolge der Aidsepidemie entwickelte sich in den 80er und 90er Jahren ein Markt für Lebensversicherungspolicen von Menschen mit unheilbaren Krankheiten. Wobei Investoren in jenen Fällen eine Lebensversicherung auf den unheilbar Kranken abschließen, ihn davon eine im Vergleich kleine Summe im Vorhinein auszahlen und beim Ableben des Erkrankten dann als Begünstigter die volle Summe kassieren und somit einen Profit mit dem Tod erzielen. Weiteres berichtet Sandel von Internetplattformen auf welchen Wetten auf die Lebensdauer eines Menschen, meist Prominenter, abgeschlossen werden können. Seiner Meinung nach muss es hier Grenzen geben, damit wir nicht zulassen, dass der Markt unsere sozialen Werte neudefiniert. Das Problem dabei liegt laut Sandel in der ökonomischen Logik, was soviel bedeutet, dass uns die Marktlogik nicht verbietet auf Menschenleben Wetten abzuschließen, da die Wette an sich das Leben des Menschen ja nicht direkt beeinflusst, er also keinen Nachteil durch die Wette hat. Obwohl dies moralisch mehr als bedenklich ist, blüht der aktuelle Massenmarkt für Leben und Tod weiter.

Fazit. Sandel wirft in seinem Buch sehr viele Fragen auf und regt dadurch zum Nachdenken und Überdenken von moralischen Grenzen in unserer Gesellschaft an. Antworten oder Lösungsvorschläge gibt es in seinem Buch nicht – es liegt an jedem Einzelnen seine Grenzen selbst zu definieren.

(zusammengefasst von Carina G. // FHV, IMB 12)

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