Biorama
Studie zu Verantwortungsträgern in Österreich
Harald Mahrer, Präsident der Julius Raab Stiftung; Harald Katzmair, globaler Netzwerkforscher und Karl Stoss, Generaldirektor Österreichische Lotterien (vl.)
Bild: Richard Tanzer
Die soziale, marktwirtschaftliche und zukünftig immer wichtiger werdende ökologische Verantwortung für die Gesellschaft kann nicht mehr allein durch staatliche Organisationen übernommen werden. Eine kürzlich präsentierte Studie der Julius Raab Stiftung, durchgeführt von FAS.research, untersucht, welche Verantwortungsträger in Österreich in Zukunft stärker eingebunden werden sollten. Stiftungspräsident Harald Mahrer im BIORAMA-Interview über Anbietervielfalt und Visionen für eine Vorbildfunktion Österreichs.
Grafik: Julius Raab Stiftung, FAS.research
Die Ergebnisse der Studie können in Form einer Netzwerk-Karte dargestellt werden. Sie repräsentiert die Verantwortungsträger in Österreich. Die Größe der Elemente bezeichnet die Vervielfachung der Rollen, die Farben die Arten der Träger.
BIORAMA: Ihre aktuelle Studie untersucht die “Verantwortungskultur” in Österreich untersucht. Um welche Verantwortung geht es?
Harald Mahrer: Es geht um unterschiedliche Formen der Verantwortung, nämlich um alle drei Dimensionen einer ökosozialen Marktwirtschaft. Wir sehen darin eine Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft, die unser Land seit den 60er Jahren geprägt hat. Die wirtschaftliche und soziale Komponente sind bereits als wichtige Verantwortungsbereiche etabliert. Jetzt kommt die Ökologie als neue Dimension dazu, für die ebenfalls Verantwortung übernommen werden muss.
Gerade wenn man sich das Netzwerk aus Vereinen und kleinen Social Entrepreneurs ansieht, den Bio- und Fairtrade-Boom, bekommt man doch den Eindruck, der Öko-Aspekt steht bereits im Mittelpunkt?
Ja, wir haben bereits sehr viele Organisationen, die sich mit diesem Aspekt beschäftigen. Wir sind aber der Meinung, dass dieser Bereich noch immer unterentwickelt ist.
Entsolidarisierung und Opfermentalität wurden als Ausgangssituation beschrieben. Gab es einen konkreten Auslöser, dieses Forschungsprojekt zu starten?
Einen konkreten Auslöser gab es nicht. Österreich ist nicht schlecht aufgestellt, doch wir stehen auf einem Scheideweg: Wenn wir uns auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen, wird es vermutlich bergabgehen. Wenn wir die Notwendigkeit erkennen, den ökologischen Bereich stärker zu unterstützen, kann dies zum Aufstieg verhelfen. Der Wohlstand, den wir uns bisher aufgebaut haben, muss durch soziale und ökologische Verantwortungsübernahme gestärkt werden.
Der Staat ist in unserer Kultur grundlegender Verantwortungsträger, der die Basisversorgung bereitzustellen hat. In diesem Forschungsdesign wurde er Wirtschaft, Individuum und Zivilgesellschaft gleichgestellt, obwohl all diese Träger haben ganz unterschiedliche Ausmaße und Wirkungsbereiche haben. Warum diese Gleichstellung?
Der Staat ist mittlerweile an seiner Leistungsgrenze angelangt, die Verantwortung muss vielfältiger aufgeteilt werden. Wir haben in Österreich eine außergewöhnliche Kultur, die in vielen anderen Länder so nicht vorhanden ist – ein weit verzweigtes Vereinswesen, Organisationen, die soziale Verantwortung übernehmen, die sonst im staatlichen oder privatwirtschaftlichen Bereich liegen würde. Die zivilgesellschaftliche Verantwortung wird jedoch in Zukunft sicher mehr gebraucht werden, denn die Möglichkeiten der öffentlichen Hand sind oft schon ausgeschöpft. In Bildungs-, Pflege-, Gesundheits- und vielen anderen Fragen, auch im globalen Wettbewerb stehen wir vor allem in Anbetracht des demografischen und klimatischen Wandels vor neuen Herausforderungen der Zukunft. Die Verantwortung dafür wird viel zu oft auf Staat oder Privatwirtschaft abgeschoben, doch wir sind der Ansicht, dass dieses Netzwerk gestärkt und erweitert gehört.
Grafik: Julius Raab Stiftung, FAS.research
Als die vier Träger der Verantwortung wurden Staat, Wirtschaft Individuum und Zivilgesellschaft definiert. Sie haben verschiedene Rollen – zum Beispiel der Staat als Politik und Sozialpartner, die Wirtschaft als Unternehmen, Individuen als KMUs und Einzelpersonen und die Zivilgesellschaft als Vereine, NGOs und kirchliche Einrichtungen. Durch diese Rollen übernehmen die Träger Verantwortung, dabei maßgeblich sind je nach Träger Gesetzen und Normen, Eigeninteresse, Moral, Religion oder Ethik und Spiritualität.
Viele der untersuchten Bereiche werden heute von der EU beeinflusst. Warum wurde die Europäische Union dabei außen vor gelassen?
Wir sehen die EU nicht als Verantwortungsträger in Österreich, obwohl sie natürlich einen Einfluss hat. Sie wurde aber in der Kategorie politischer Verantwortung mit dem Staat als ein Träger herunter gebrochen. Sie hat eine Rolle, aber keine Schlüsselrolle in diesem Szenario.
Mit welcher Methode haben Sie das österreichische Verantwortungsnetzwerk untersucht?
Die Verantwortungsträger, die man in der Öffentlichkeit kennt, wurden als Ausgangspunkte definiert und gefragt, wo Sie die Verantwortung für gewisse Bereiche sehen. Nach dem Schneeballprinzip wurden die genannten Personen oder Insititutionen wieder befragt wurden. So wurden viele Persönlichkeiten oder Organisationen vielfach wechselseitig nominiert und somit kann ein Netzwerk analysiert werden. Die Validität ist durch die vielfache Nennung von verschiedener Quellen gegeben.
Welche Schlüsse können Sie aus dem Vergleich der Verantwortungskultur Österreichs mit anderen Staaten ziehen? Gibt es Beispiele anderer Länder, die Vorbildfunktion für uns haben könnten?
Wir sind in Österreich sicher prinzipiell gut aufgestellt, vor allem durch unser buntes Netzwerk an Verantwortungsträgern, auch wenn es einige Mankos und Reformdefizite gibt. In Skandinavien gibt es zum Beispiel viel mehr soziale Innovation, auch im öffentlichen Bereich noch eine üppigere Anbieterstruktur, die soziale Sicherheit ist ähnlich wie in Österreich, aber Social Entrepreneurship Initiativen haben hier schon besser gegriffen.
Bezüglich der Finanzierung kann man sich Deutschland ansehen. Dort ist die Situation sicher schon besser ausgeprägt, es gibt viel mehr gemeinnützige Stiftungen, dir vor allem als Financiers für neue Initiativen und Denkmodelle fungieren.
In Summe ist niemand besser aufgestellt als wir, es gibt einzelne Bereiche, die eben in anderen Ländern besser funktionieren. Auch wir haben große Schätze, zum Beispiel im Umwelttechnologiebereich, oder bei der dualen Ausbildung. Wenn wir aber jetzt von unserem Netzwerk profitieren und darauf aufbauen, können wir zu einem Vorbild für ganz Europa werden.
Sehen Sie einen Trend in der Verantwortungsverschiebung?
Wir orten ein Auseinanderdriften in der Bevölkerung, die Menschen entfernen sich oftmals voneinander. Zum Beispiel in der steigenden Nutzung der sozialen Netzwerke sieht man eigentlich, dass sich die Menschen eher mit sich selbst beschäftigen, sich mehr selbst präsentieren anstatt wirklich mit anderen zu beschäftigen und sich im Endeffekt durch die virtuelle Vernetzung sozial isolieren.
Es gibt auch eine Opfermentalität – die Menschen regen sich über gewisse Zustände auf und wollen von Dritten gerettet werden, doch die Zukunft wird sein, selbst anzupacken und Verantwortung selbst zu übernehmen. Nicht nur für ihr Umfeld oder für sich selbst sondern mit für die ganze Gesellschaft.
Es gibt also erste Indikatoren für einen Rückzug aus der zivilgesellschaftlichen Verantwortung. Und wir denken, dass alle Träger zusammenarbeiten müssen, um die Zivilgesellschaft wieder mehr zur Verantwortung zu ziehen.
Die Ergebnisse der Studie fordern eine modernere bürgerliche Sozialpolitik, Förderung von Initiativen aus dem Social-Entrepreneurship-Bereich und ein gemeinnützigkeitsfreundliches Stiftungsrecht. Was verstehen Sie darunter konkret?
Unser Netzwerk ist sehr bunt, wir haben unterschiedliche Verantwortungsträger in verschiedenen Rollen. Die Netzwerk-Karte, die wir präsentieren, ist nur ein Ausschnitt davon. Diese Buntheit muss weiter gefördert werden, es darf nicht nur auf staatliche oder wirtschaftliche Verantwortung gesetzt werden. Träger- und Anbietervielfalt ist also gefragt – zum Beispiel bei Krankenhäusern: es sollte nicht nur staatliche oder Ordenskrankenhäuser geben, auch private und Krankenhäuser im Besitz von zivilgesellschaftlichen Organisationen werden benötigt. Dasselbe bei Bildung oder Kinderbetreuung – Vielfalt der Träger statt monokausale Kultur. Der Wettbewerb der Anbieter steigert ja schließlich auch die Qualität des Angebots.
Ebenfalls der Innovationsfaktor ist dabei zu bedenken, denn kreative Ideen entstehen immer am Rand von Netzwerken, nicht im Zentrum der etablierten Träger. Diese sollen gefördert werden. Die jungen, sozialen Unternehmer werden in Zukunft immer wichtiger, um hier eine Weiterentwicklung zu bewirken.
Außerdem bedacht werden muss die Finanzierung. Das Geld fehlt weitgehend, daher wäre es sinnvoll, ein gemeinnützigkeits-freundliches Stiftungsrecht zu entwickeln. Im angloamerikanischen Raum gibt es viel mehr Initiativen in dieser Richtung, auch Deutschland bewegt sich in diese Richtung. Vermögenden Menschen muss es einfacher gemacht werden, Geld für solche Initiativen zur Verfügung zu stellen.
Diese drei Punkte sollten meiner Meinung nach ganz klar auf die politische Agenda der nächsten Bundesregierung.
Es geht also um 3 Vorschläge an den Träger “Staat” mit dem Ziel, die Verantwortung an die anderen Träger weiterzugeben. Ist das nicht ein Rückzug des Staates aus der Verantwortung?
Die Verantwortung muss verschoben werden, denn wir glauben, dass es der Staat sie alleine nicht mehr tragen kann. Wenn man sich die demografische Entwicklung ansieht, die Überalterung, die uns bevorsteht, dann ist klar, dass das System nicht ewig so funktionieren wird. Ein Rückzug aus der Verantwortung sollte das nicht sein. Das Ziel ist Erleichterung und bessere Rahmenbedingungen um Angebote anderer Träger zuzulassen und zu fördern. Nicht das vorhandene Angebot sollte privatisiert werden, sondern mehr Angebot geschaffen und bunter aufgeteilt werden. Sonst wäre das sicher nicht förderlich für die Qualität.
Welche Veränderungen denken Sie durch die Veröffentlichung der Studie zu bewirken?
Ein klares Bekenntnis zum Thema Anbietervielfalt sehe ich als möglich für jede Partei. Es geht jetzt darum, Qualitätsstandards für die Angebote und Fördermodelle zu entwickeln. Eigentlich keine schwierige Aufgabe. Auch im Punkt Social Entrepreneurship sehe ich keine Probleme, man muss einfach Ideenbörsen etablieren und stützen.Und die Erlassung eines gemeinnützigkeitsfreundlichen Stiftungsrechts wäre auch keine große Aufgabe, würde aber viel bewirken.
Ich kann mir nicht vorstellen, warum man sich gegen diese Entwicklungen stellen sollte. Es würde das hohe Wohlstandsniveau des Landes fördern, eventuell das Potential ausschöpfen, Österreich eine Vorbildfunktion als Insel der Seeligen zu schaffen. Und es geht ja nicht um radikale Veränderungen, das sind kleine Schritte die aber, wie wir überzeugt sind, viel bewirken werden.
Innovationen rund ums Fahrrad
Bei Cycling Affairs von Departure wurden 235 Ideen rund ums Rad gesammelt. Aus internationalem Umfeld und von Menschen aller Berufsrichtungen wurden Beiträge gesammelt – unter ihnen lustige, praktische und brillante Konzepte. Einige der Ideen kurz präsentiert.
Wiener Rad WG
Das Siegerprojekt, die “Wiener Rad WG” ist ein kreatives Konzept zur Nutzung von freien Plätzen als Parkplatz für Räder. Radfahrer sollen die Möglichkeit haben, ihr Rad vor Witterung und Dieben geschützt abstellen zu können, außerdem könnten die Rad-WGs mit Werkzeug ausgestattet sein und sich so ganz natürlich zu einem Austauschpunkt für Radfahrer entwickeln. Eine Mobile App soll bei der Suche nach freien Plätzen helfen und Chips den Zutritt zu den WGs ermöglichen.
Tragerl fürs Rad
Bild: Beatrice Stude
Das “Tragerl fürs Rad” hat Spar Österreich den Partnerpreis der Cycling Affairs eingebracht. Es handelt sich um eine neue Verpackungsmöglichkeit für Einkäufe, die speziell für Radfahrer entwickelt wurde. Statt sich also ein umweltbelastendes Plastiksackerl an der Kasse für mitzunehmen und es am Lenker hängend, balancierend, nach Hause zu transportieren, soll es eine umweltschonendere, besser Rad-geeignete Alternative geben: eine Fahrradtasche aus wachsbeschichtetem Karton. Diese wäre einfach anzuwenden, platzsparend faltbar und wiederverwendbar. Eine perfekte Vereinung von Umweltgedanken und Bequemlichkeitsgewinn für Spontaneinkäufer.
Posch Biking Glowes
Eigentlich gibt es schon unzählige Modelle von Fahrradhandschuhen, doch es ist immer noch Platz für eine Innovation. Die “Biking Glowes” von Irene Posch haben einen entscheidenden Sicherheitsvorteil: integrierte LED-Leuchten. So kann man mit der Hand und dem angebrachten Leuchtpfeil den Autoblinker ersetzen und wird im Straßenverkehr gleich um einiges auffälliger – vor allem in den Nachtstunden.
Pneumatic Umbrella Bild: Magdalena Brunner
Für alle die auch bei Wind und Wetter auf ihren Drahtesel angewiesen sind, hat sich Magdalena Brunner aus Graz etwas einfallen lassen. Ein “Pneumatic Umbrella”, der bei Sonnenschein platzsparend unter dem Sattel zusammengefaltet montiert ist, und bei Regen schnell durch das Ziehen einer Schnur aufgespannt werden kann. Die Folie wird am Lenker eingehängt und bildet so ein wasserfestes Dach über dem Lenker.
Fahrradgasse Bild: Delicious Wien
Was leider sogar noch auf der Autobahn in den Kinderschuhen steckt, wäre für Radfahrer in der Stadt ein Segen: bei jedem Stau – die Fahrradgasse.
Kann Spuren von Milch enthalten
Über den Selbstversuch, sich einen Monat vegan zu ernähren. Bilanz nach der ersten Woche: einmal gescheitert.
Ich mag Fleisch. Dazu stehe ich – was mir zuletzt den Ruf eingebracht hat, ich wäre ein „Veganerfresser“. Selbst sehe ich mich als mündigen Fleischfresser, der kein prinzipielles Problem damit hat, dass für seine Ernährungsgewohnheiten auch Tiere zu Tode kommen – sofern diesen davor ein möglichst würdevolles Leben beschieden ist. Fleisch aus dem Supermarkt versuche ich zu vermeiden (eine direkte Konsequenz der Lektüre der beiden Bücher von Clemens G. Arvay – weil ich die Art und Weise wie die allermeisten Tiere geschlachtet werden, nicht gutheißen kann. Bio bedeutet diesbezüglich leider nicht automatisch besser. Seit ich selbst bei einer Schlachtung dabei gewesen bin (was ich jedem Fleischfresser raten würde und ich eigentlich als moralische Verpflichtung erachte) und erfahren habe wie respekt- und würdevoll einer Kreatur vor ihrem Tod begegnet werden kann, bin ich diesbezüglich noch konsequenter geworden. Manchmal landen dennoch ein paar Landjäger in meinem Einkaufswagerl. Ich bin verführbar. Dennoch: Tierwohl ist mir ein aufrichtiges Anliegen. Ich halte es für moralisch verwerflich, Tiere schlecht oder auch nur suboptimal zu halten, nicht aber, sie zu essen, also auch: sie zu töten. Ich weiß: Manche Menschen halten das für Mord und meine Haltung für zynisch. Für sie bin ich Teil des „Schweinesystems“. Damit kann ich leben.
Weil es mit meinen oben formulierten Ansprüchen gar nicht anders ginge, habe ich mich auch bisher de facto an fünf oder gar sechs von sieben Tagen vegetarisch ernährt. Auch, weil ich mir Fleisch, das meine Qualitätserforderungen wirklich erfüllt, gar nicht öfter leisten könnte. Und ganz generell gesprochen: Fleisch ist viel zu billig, das tägliche Schnitzel kein Menschenrecht!
Zwei Ausnahmen
Warum also einen Monat lang kein Fleisch, keine tierischen Produkte? Ich gestehe: Mein Selbstversuch hat primär professionelle Gründe. 7,15 Prozent der Leserinnen und Leser unseres Magazins ernähren sich vegan, also rein pflanzlich. Das hat eine auf dieser Website durchgeführte Leserbefragung ergeben. Ich möchte wissen, wie es diesen Menschen geht. Welchen Problemen, welcher Ignoranz sie im Alltag begegnen, aber auch welche Freuden einem womöglich als Nicht-Veganer entgehen. Natürlich ist auch Neugier mit im Spiel. Vom ”selbstverschuldeten Elend“, das mir ein (Schnitzel-)Freund attestierte, als ich ihm vom Vorhaben meiner Erprobung erzählt hatte, merke ich bislang jedenfalls noch nichts. Auch wenn die Einschränkungen durchaus massiv sind und ich mich schon jetzt auf den Vorarlberger Bergkäse freue, den ich mir am 9. Juli gönnen werde. Dann ist mein Veganmonat vorbei, den ich beim Besuch der Wiener „Veganmania“ begonnen habe und dessen Start ich eineinhalb Wochen vorbereitet hatte: das angebrochene Sixpack Eier verspeist, den Streichkäse bewusst aufgebraucht. Die Nudeln mit Ei werden so schnell nicht schlecht und auch der abgepackte Feta im Kühlschrank muss nicht vor Mitte September gegessen sein. Zwei Ausnahmen hatte ich von vornherein definiert: Honig werde ich weiterhin essen. Und selbst gefangenen Fisch werde ich – sollte ich es endlich wieder schaffen, Angeln zu gehen UND dabei auch etwas zu erwischen – sicher nicht einfrieren.
Wahnsinn, wo überall Viech drin ist
Die vielleicht überraschendste Erkenntnis aus Woche eins: Wahnsinn, wo überall Viech drin ist! Naiv habe ich gleich am ersten Tag in der Früh in einer Ströck-Filiale ein Gemüse-Ciabatta gekauft. In der fixen Annahme: Weckerl/Brötchen, Gurke, Karotte, Sprossen, sonst nix. Doch darin entdeckte ich zu meiner Überraschung sowohl eine Scheibe Käse als auch eine – sparsame – Grundierung mit Streichkäse. Über die Käsescheibe hat sich eine Taube gefreut, den Streichkäse allerdings habe ich mitgegessen. Wegwerfen wäre mir pervers und fundamentalistisch erschienen. Nach diesem Scheitern gleich am ersten Tag war mir immerhin klar: Ohne gefragt zu haben, ob etwas vegan ist, gehst du besser davon aus, dass überall irgendwas vom Tier ist. Sei es Topfen, Milch(pulver) oder Ei(klar). Überrascht hat mich auch, auf wie vielen Produkten sich neben dem Hinweis auf Nüsse, Mandeln und dergleichen auch angemerkt findet, etwas könne „Spuren von Milch“ enthalten. Davon habe ich mich aber, ehrlich gesagt, nicht abschrecken lassen – im Wissen, dass diese Unschärfe viele aufrechte Veganer wohl nie durchgehen lassen würden.
Was ich recht rasch entdeckt habe: die wahre Breite des Ja! Natürlich-Produktsortiments. Und auch, dass einem als Veganer die Spar Veggie-Linie echt das Leben erleichtert. Wobei vegan (oder „veggie“) bedauernswerter Weise nicht zwingend auch Bio bedeutet. Erfüllen vegane Produkte einmal auch Bio-Kriterien, dann steht meist der Vegan-Hinweis im Vordergrund, Bio wird dezenter ausgewiesen. Vegan ist für die adressierte Klientel offensichtlich der entscheidende(re) Kaufanreiz. Bei mir ist es normalerweise genau umgekehrt.
Sojamilch vs. Marillen-Nektar
Dass mir Käse fehlt, habe ich oben schon erwähnt. Eine echte Einschränkung ist auch der Verzicht auf (frische) Vollmilch. Den besten Kaffee trinke ich normalerweise in der Kaffeefabrik. Hausherr Tobi kredenzt nicht nur selbst importierte und geröstete Bohnen, er und sein Team bereiten Melange und Cappuccino stets auch mit Bio-Milch zu. Zwar hat er mir angeboten, für mich Soja- oder Reismilch einzukühlen (ich bin Stammgast und schaue täglich vorbei), wenn ich ihm welche mitbrächte. Bloß geschafft habe ich das bisher nicht. Weshalb ich seit einer Woche statt Melange einen Verlängerten trinke.
Zu Hause kam mein Bialetti-Kaffeekocher in dieser Zeit gar nicht zum Einsatz. Zwar steht ein Tetrapak Sojamilch im Regal, aber es auch anzureißen konnte ich mich bislang nicht durchringen. So gut schmeckt die süßliche Sojamilch dann doch nicht. Und seit langem schon gieße ich mir mein Frühstücksmüsli gern einmal mit Marillen-Nektar anstatt mit Milch auf. So war es auch diese Woche.
Das Gefühl, sich gesünder zu ernähren
Bittere Erkenntnis am Wochenende war, dass Mutters Krautfleckerl nicht vegan sind, weil in der von ihr verwendeten Teigware Ei enthalten ist. Dafür ist mir bei der ersten Grillerei des Jahres das Fleisch gar nicht abgegangen. Die mit Gemüse-Bulgur gefüllten Paradeiser (Tomaten) und Paprika, der gegrillte Frühlingsknoblauch waren köstlich. Insgesamt habe ich, obwohl ich gegenwärtig in Sachen Bio deutlich kompromissbereiter zu sein habe als sonst, das Gefühl, mich derzeit gesünder zu ernähren als sonst.
Was nach diesem Selbstversuch jedenfalls bleiben wird: Ich werde künftig wohl noch weniger Fleisch essen als bisher; und viel öfter Produkte von Hiel – Peter Hiel macht einfach die besten Aufstriche der Welt: 100 Prozent biologisch – und die meisten davon vegan. Vegetarisch sind sie alle. Die nicht-veganen probier ich dann im Juli aus.
„Was ist Bio?“ – Ein Crashkurs
BIORAMA und das Forum Journalismus und Medien präsentieren einen Crashkurs für JournalistInnen, KommunikatorInnen (PR) und MultiplikatorInnen.
Bio liegt nach wie vor stark im Trend: Immer mehr Österreicher steigen auf Bio-Lebensmittel um, auch in Zukunft wird dieser Boom anhalten. Doch was bedeutet der Begriff „Bio“ überhaupt? Wie stellt sich die Industrie auf diesen rasant wachsenden Markt ein? Welche Mythen kursieren rund um „Bio“-Produkte und sind sie wirklich immer gesünder?
Zum Auftakt der BIORAMA FAIR FAIR (12.-14. Juli, MQ Wien, www.fairfair.at) organisiert BIORAMA gemeinsam mit dem Medieninstitut fjum (Forum Journalismus und Medien) ein Basisseminar zum Thema „Bio“. Führende ExpertInnen in dieser Materie geben JournalistInnen, KommunikatorInnen (PR) und andere MulitiplikatorInnen einen Einblick in das Thema Bio-Food und Impulse, den Bio-Trend medial zu verwerten.
DIE THEMENBEREICHE
- Wer definiert „Bio“ (in Österreich, in der EU) und was bedeutet dieser Begriff überhaupt (Zertifikate, ihre Bedeutung, ihr Gültigkeitsbereich)
- Welche Ebenen des Qualitätsmanagements und der Qualitätskontrolle gibt es in der Bio-Wertschöpfungskette?
- Wie kann ich also als JournalistIn/KommunikatorIn beurteilen, was vertrauenswürdig ist?
- Was bedeutet „Bio“-Qualität in der Landwirtschaft und im Handel?
- Mythen & Fakten über biologische Ernährung
DIE REFERENTEN:
Reinhard Geßl
Forschungsinstitut für Biol. Landbau (Fibl), Wien
Katharina Seiser
Kulinarik-Journalistin und Food-Bloggerin mit Fokus Bio, Wien
Hassaan Hakim
Bio-Marketingexperte, Gießen
Juliana Lutz
Institut für soziale Ökologie, Wien
DIE KURATOREN:
Alois Posch
bis 2012 im Lebensministerium für Bio-Landwirtschaft zuständig
Thomas Weber
Herausgeber Biorama
MODERATION:
Gunther Müller
fjum
„WAS IST BIO?“ – EIN CRASHKURS
Donnerstag, 11. Juli 2013, von 14–20 Uhr
Wien, MuseumsQuartier, Raum D
Kosten: 150,- Euro pro Person, Ermäßigungen (90,- Euro) für freie JournalistInnen und Studierende
Anmeldung ab jetzt via http://bit.ly/ZgGcdo
Gefährliche Biene Maja
(c) Matthias Hombauer
Die Bienen- und Wespensaison wird zwar dieses Jahr eher durchschnittlich ausfallen, doch für Allergiker ist höchste Vorsicht geboten. Die Stiche sind für Gesunde ungefährlich, doch wer allergisch reagiert, muss schon bei einem einzigen Stich mit eventuell lebensbedrohlichen Folgen rechnen. Die Initiative Insektengift stellt umfassende Informationen und wertvolle Tipps zur Verfügung. BIORAMA im Interview mit Doz. Mag. Dr. Stefan Wöhrl vom Floridsdorfer Allergiezentrum in Wien.
BIORAMA: Man hört immer mehr über allergische Reaktionen nach Insektenstichen. Ist die Zahl der Allergiker angestiegen oder macht das nur den Eindruck? Woran liegt das?
Stefan Wöhrl: Die Zahl der Allergiker ist steigend aber nicht im Bereich der Insektengiftallergie. Etwa 1-4% der sind Bevölkerung betroffen.
Was passiert im Körper bei einer Allergie?
Die sogenannten IgE-Antikörper im Blut der Erkrankten reagieren mit an sich harmlosen Molekülen (Allergenen) im Insektengift. Bei einem einzigen Wespenstich kommen ca. 5.000 dieser Moleküle in den Organismus. Dies löst eine Kaskade von biologischen Reaktionen aus. Beim ersten Kontakt kommt es zur Sensibilisierung gegen ein Allergen und es werden vermehrt Antikörper produziert. Diese produzieren Botenstoffe, die für Abwehrreaktionen wichtig sind. Gelangt dann durch einen weiteren Stich wieder Gift in den Körper, verbinden sich die Allergene im Insektengift mit den Antikörpern und Abwehr-Botenstoffe (v.a. Histamin) wird ins Blut oder Gewebe abgegeben, die Symptome wie Juckreiz, Schmerzen und Schwellungen auslösen.
Welche Insekten sind gefährlich?
Wespen- und Bienengiftallergien sind die häufigsten Insektengiftallergien. Aber auch das Gift von Hornissen und Hummeln kann allergische Reaktionen auslösen, jedoch kommt dies seltener vor. Auch der „Stich“ von Ameisen kann allergische Reaktionen verursachen, spielt in unseren Breiten aber praktisch keine Rolle. Mücken und Bremsen lösen nur in sehr seltenen Fällen allergische Reaktionen aus.
Gefährlich wird das Gift für Kinder aber erst ab einer Menge von 50 und bei Erwachsenen ab 100 Stichen. Für einen Allergiker kann allerdings bereits ein einziger Stich tödliche Folgen haben.
Wichtig ist, aufzupassen, welches Insekt gestochen hat. Eine Bienengiftallergie bedeutet nicht unbedingt auch eine Sensibilisierung gegen Wespengift. Man muss die Insekten unterscheiden. Ein Kalender mit Information darüber, wann welches Insekt gefährlich ist, kann online abgerufen werden. Dort gibt es außerdem eine Übersicht über die wichtigsten Insektenarten und deren Merkmale um sie im Anlassfall schnell identifizieren zu können.
In welchen Gegenden muss man besonders aufpassen?
Bienenstiche häufen sich im Bereich von Blumenwiesen, z.B. ungemähte Wiesen in Freibädern. Wespenstiche sind häufiger in Obstgärten, bei Holz, Mülltonnen und generell bei Essen im Freien. Wespenstiche sind häufiger in der 2. Jahreshälfte.
Stefan Wöhrl
Bild: Richard Schuster (www.fotoschuster.com)
Wie erkenne ich bevor ich gestochen werde, ob ich allergisch bin? Sollte ich mich testen lassen, auch wenn ich noch nie Beschwerden hatte?
Einer Normalreaktion entsprechen Juckreiz, Schmerzen, Rötung, Schwellung unter 10 cm für weniger als 24 Stunden. Prophetische Testungen, also wenn keine Beschwerden vorliegen, sollten wegen der Gefahr falsch positiver Tests nicht durchgeführt werden.
Woran erkenne ich, dass eine allergische Reaktion ernsthaft gefährlich ist?
Meist weist eine große Lokalreaktion die mehr als 24 h dauert und auf über 10 cm Durchmesser anschwillt, darauf hin. Alle Reaktionen, die über Symptome an der unmittelbaren Stichstelle hinausgehen, und Teile eines allergischen Schocks sind, sind gefährlich, z.B. Nesselausschlag, Schwellungen, Juckreiz am gesamten Körper, Atemnot, Schwindel, Durchfall, Bewusstseinsverlust, Herz-Kreislaufstillstand bis zum Tod.
Wie leiste ich Ersthilfe?
Nach einem Stich gilt es für Allergiker bzw. die Begleitpersonen rasch zu handeln. Der Stachel muss entfernt werden, eventuell mitgeführte Notfallmedikamente sollten eingenommen werden. Ein rasch wirksames Antihistaminikum (zB Medikament gegen Heuschnupfen) und Kortison sollten sofort eingenommen werden, wenn vorhanden. Adrenalin als Fertigspritze kommt zum Einsatz, wenn die Reaktion über die lokale Einstichstelle hinausgeht, also z.B. Schwellung des Kehlkopfs, Schwindel, Übelkeit, Engegefühl im Brustbereich etc., eventuell muss auch ein Notarzt gerufen werden.
Wichtig ist auch, beengende Kleidungsstücke auszuziehen und Atemwege freizuhalten. Wenn ein Schock, samt kaltem Schweiß, Blässe, Schwindel auftritt, den Betroffenen in die Schocklagerung bringen – auf den Rücken legen und die Beine hochlagern. Bei Bewusstlosigkeit sollte der Allergiker in die stabile Seitenlage gebracht und seine Lebenszeichen überwacht werden. Genauere Informationen findet man auch auf der Website.
Wie funktioniert die spezifische Immuntherapie? Worauf muss sich der Patient einstellen?
Die spezifische Immuntherapie, auch bekannt als Allergieimpfung, Desensibiliserung, oder Hyposensibilisierung versucht wieder einen Toleranzzustand zu erzeugen. Das wird erreicht, indem allmählich steigernd in Abständen wöchentlich unter die Haut eine kleine Allergenmenge gespritzt wird. Dadurch kann sich das Immunsystem wieder daran gewöhnen und die übertriebene und schädliche allergische Immunantwort wird rückgebildet. Nach 3-4 Monaten wird die Erhaltungsdosis, die in etwa der Giftmenge von 2 Stichen entspricht, erreicht, ab nun ist ein monatliches Impfintervall notwendig. Die Therapie wird im Allgemeinen über 3-5 Jahre fortgesetzt.
Der Patient kann sich auf eine der erfolgreichsten Therapieformen in der Medizin mit einem bis zu 90%-igen Schutz beim nächsten Stich einstellen. Die Therapie wird von den Krankenkassen übernommen. Der Patient muss allerdings über die gesamte Therapiedauer bei der der „Stange“ bleiben, um einen maximalen Schutz zu erreichen.
Die zweite Säule der Therapie bei Patienten mit der Geschichte von schweren Stichreaktionen ist die Verordnung von Adrenalin in speziellen Geräten in Stiftform, die der Patient sich im Notfall selbst verabreichen kann.
O Sole Mio – Sonnige Früchtchen
Zitrusfrüchte schmecken nach Süden, Sonne und Siesta. Sie erfrischen, machen gute Laune und passen prima in die Sommerküche.
Ob Grapefruit, Orange oder Limette – Zitrusfrüchte sind Sonnenkinder und brauchen ein warmes Klima. Sizilien zählt zu den besten Anbaugebieten für Zitrusfrüchte und ist Heimat einiger Bio-Pioniere wie der Demeter-Kooperative Salamita. Das milde Klima Siziliens, der vulkanische Boden und eine lange Sonneneinstrahlung bewirken die besonders feine und aromatische Qualität der Zitrusfrüchte.
Zitrusfrüchte zählen zu den Rautengewächse (Rutaceae), ihr gemeinsames Merkmal sind sogenannte Ölzellen in den Blättern, Blüten und Früchten. Das darin enthaltene ätherische Öl bewirkt das interessante Aromaspektrum – von spritzig-süßsauer über aromatisch süß bis herb-fruchtig.
Zitrus-Allrounder
Zitrusfrüchte sind ein Allrounder in der Küche: vom Frischobst über die Verwendung der Schale und des Saftes, als Marmelade, Sirup, als Würz- und Backmittel oder als Aroma für Erfrischungsgetränke. Schon ein kleiner Spritzer Bio-Zitrone rundet den Geschmack vieler Speisen ab.
1// Very british
Schmeckt am besten auf warmem Toast: Lemon Curd ist eine köstliche Creme aus Zitronen, Eiern und frischer Butter. Passt auch gut zu Desserts, Joghurt oder Eis. Prince Charles ökologisch bewirtschaftetes Hofgut Highgrove ist die Basis für die Duchy-Produkte. www.duchyoriginals.com
2// Sommerbrisenaroma
Sauer-süß, saftig und nach frischer Frucht schmeckt Limoncello, ein Likör aus biologischen Zitronen, vom Spezialitätenbrenner aus der Schweiz. Er wird eiskalt getrunken. Tipp: Sehr lecker im Tiramisu al Limoncino. www.humbel.ch
3// Ein Hauch Zitrone
Im Anbauprojekt Finca la Torre werden andalusische Demeter-Oliven zusammen mit Zitronen ohne äußere Hitzezufuhr gepresst – die Aromastoffe der frischen Zitronen gehen so ins Olivenöl über und ergeben das feine Würzöl Citrolive. Für Gemüse, mediterrane Salate und auch Obstsalat. www.rapunzel.de
4// Samba Feeling
Erfrischender Sommer- und Partydrink: Bio-Sirup Limette mit Mineralwasser verdünnen und gekühlt servieren. Auch super als Cocktailgrundlage, zu Prosecco oder für Desserts. www.voelkeljuice.de
5// Sommer im Glas
Birgit, Tom und Christian haben ihre Ingenieurs-Jobs an den Nagel gehängt und eine Demeter Fruchtaufstrich-Manufaktur gegründet, die hauseigene Früchte und Obst aus Partnerbetrieben weiterverarbeitet. Im Fruchtaufstrich Mandarine sorgt die alte sizilianische Sorte Ciaculli für ein intensives Geschmackserlebnis. www.die-beerenbauern.de
6// Freche Früchtchen
Seit 1992 wird in der steirischen Manufaktur Schokolade erforscht und zu Genussabenteuern verarbeitet. Rohstoff wird zu Köstlichkeit. Durch Orangenlikör beflügelt und mit Orangengelee komponiert: handgeschöpfte Orangen-Marzipan-Schokolade. Suchtpotenzial: hoch. www.zotter.at
7// Fruchtige Würze
Fürs Verfeinern von Saucen, Dips oder zu Käse: Frische Früchte verleihen dem Orangen-Senf seinen fruchtig-süßen Geschmack. www.byodo.de
8// Sommerlaune
Für selbstgemachten Eistee: Die Grün- und Früchtetee-Mischung Zitronenzauber schmeckt lemonig-frisch und leicht herb. Sehr fein zu asiatischen Gerichten und sommerlich-leichter Küche. www.sonnentor.com
9// Duft von den Inseln
In seiner Heimat wird Curry individuell zubereitet, erst die Engländer erfanden das fertig gemischte Currypulver. Das Lemon Curry Sumatra schmeckt leicht scharf und zitronig-frisch mit einer Komposition aus Zitronengras, Limette und Lemon Myrtle. www.lebensbaum.de
Glasklare Argumente
Nicht oft wird über ein Umweltthema so viel diskutiert wie derzeit über Wasserprivatisierung. Kontrollverlust nennen es die einen, Effizienzsteigerung die anderen. Eine Meinung dazu hat fast jeder. Zwei davon finden sich hier.
»Wir haben weiterhin die Kontrolle«
Wir haben uns im Jahr 2009 dazu entschieden, die Trinkwasserversorgung an die Energieversorgung Niederösterreich (EVN) auszulagern und gleichzeitig damit die Chance ergriffen, auf die Versorgung mit Hochquellwasser umzusteigen. Wir sind nun also teilprivatisiert, denn seit dem 1. Jänner 2010 betreibt die EVN das gesamte Trinkwassernetz der Marktgemeinde Gablitz.
Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, die Trinkwasserversorgung in »private Hände« auszulagern. Der finalen Entscheidung sind detaillierte Diskussionen in allen Gemeindegremien sowie eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger vorausgegangen. Die Bevölkerung von Gablitz wollte Zugang zu Hochquellwasser haben, wir hätten uns das selbst nicht leisten können.
Hauptausschlaggebend für unsere Entscheidung waren Analysen des 30 Jahre alten Wassernetzes. Wir hätten sehr viel Geld für Sanierungen ausgeben müssen, im alten Netz waren die Wasserverluste sehr hoch. Außerdem wurden durch Auslagerung der Wasserabrechnung Gemeindemitarbeiter für andere Aufgaben frei. In der Umstellungsphase der ersten Monate haben beide Seiten viel gelernt, die Reaktionsgeschwindigkeit auf Gebrechen war anfangs unzureichend, dies hat sich aber rasch verbessert. Die Praxis zeigt nun, dass die erwarteten Investitionen wirklich notwendig waren, die EVN investiert erheblich in die Erneuerung von Leitungen und Wasserschiebern. Investitionen, welche das Gemeindebudget erheblich belastet hätten. Die Gablitzer Bevölkerung schätzt die Qualität des Wiener Hochquellwassers sehr, die Verwendung von Chemikalien ist signifikant gesunken, der verminderte Reinigungsaufwand von Badezimmern und Armaturen wird immer wieder erwähnt. Die langfristige vertragliche Vereinbarung regelt die Wasserpreiserhöhung lediglich über Index und das Gemeindebudget ist für andere Investitionen in die Infrastruktur unserer Gemeinde entlastet. Wir haben das Gefühl, weiterhin »Kontrolle« über unser Wasser zu haben. Schließlich ist alles vertraglich genau geregelt.
Michael W. Cech ist Bürgermeister der Marktgemeinde Gablitz, deren Trinkwassernetz seit 2010 in privaten Händen ist.
»Private interessieren sich nicht für Nachhaltigkeit«
Wasser ist kein Luxusgut und auch keine Handelsware. Es ist zur Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse unerlässlich und für die Existenz eines jeden Menschen notwendig. Wohl zwingt niemand die Kommunen, die Wasserversorgung zu privatisieren. Nicht einmal die EU kann das. Und das ist auch gut so! Allerdings schränkt die EU-Kommission das Recht der Subsidiarität massiv ein und erwirkt dadurch eine Liberalisierung durch die Hintertür.
Netzgebundene Dienstleistungen wie Wasser gelten als natürliche Monopole und eignen sich nicht für private Anbieter, da die Marktsystematik durch fehlende Konkurrenz nicht zur Entfaltung gelangt. Öffentliche Dienstleistungen sichern auch für sozial Schwächere die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Schließlich interessiert private Anbieter auch nicht die Frage von Investition, Nachhaltigkeit und Umweltkosten.
Wasser, aus einer isoliert ökonomischen Sicht betrachtet, stellt für die kommerzielle Verwertung ein perfektes Gut dar: Es ist lebensnotwendig, unersetzlich und gleichzeitig von Knappheit bedroht. Das jährliche Volumen des globalen Wassermarktes beträgt rund 400 Milliarden US-Dollar, übertrifft damit um ein Drittel jenen der pharmazeutischen Industrie und liegt bei annähernd 40 Prozent des Ölsektors. Wasser gehört daher in öffentliche Hände. Bürger verfügen dann über demokratische Kontrolle: Wenn es zu Versorgungs- oder Qualitätsproblemen kommen sollte, kann man seinen Unmut darüber nötigenfalls an der Wahlurne kundtun. Private Versorger hingegen sind vorrangig ihren Aktionären verpflichtet. Die Folge: Schnell wird das Prinzip »so rein wie möglich« durch »gerade so sauber wie gesetzlich gefordert« abgelöst. Preis, Qualität und Sicherheit unseres Wassers werden durch Privatisierung massiv gefährdet.
Nicht umsonst hat die Europäische Bürgerinitiative »Wasser ist ein Menschenrecht« bereits 1,5 Millionen Unterstützer in acht Mitgliedstaaten gesammelt. Es liegt nun an der europäischen Politik, die richtige Antwort zu geben.
Thomas Kattnig ist nationaler Koordinator der Europäischen Bürgerinitiative »Wasser ist ein Menschenrecht«.
Mehr zum Thema gibt’s auf www.biorama.eu/wasserprivatisierung
Entrüstungssturm im Wasserglas
Immer wenn große Themen auf den Titelseiten stehen, werden die verbalen Keulen ausgepackt. Die Keulen treffen deshalb so gut, weil viele Menschen berechtigt Angst haben vor einer Privatisierung des Wassers. Privatisierung ist aber nicht gleich Privatisierung und die geplanten Richtlinien der EU bedeuten nicht, dass ab jetzt Nestlé jeden Wasserhahn von Amstetten bis Zürs kontrolliert. Worum dreht sich denn die ganze Aufregung?
Stein des Anstoßes: Die EU hat geplant, Transparenzvorschriften und Regulierungen für die öffentliche Konzessionsvergabe zu beschließen. Darunter fällt neben Abfallbeseitigung und Winterstreudiensten auch die Wasserversorgung. Schnell hat sich eine Gegenbewegung gebildet, unter ebendiesem Namen fordert eine Bürgerinitiative: „Wasser ist ein Menschenrecht“. Ein Ansatz, der zieht: Schon fast 1,5 Millionen EU-Bürger haben das Begehren gegen Wasserprivatisierung unterschrieben. Thomas Kattnig ist Nationaler Koordinator von „Wasser ist ein Menschenrecht“. Er betont: „Wasser ist kein Luxusgut und auch keine Handelsware. Es ist zur Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse unerlässlich und für die Existenz eines jeden Menschen notwendig.“
Wem gehört das Wasser?
Damit trifft Kattnig einen wichtigen Punkt und wirft eine philosophische Frage auf: Wem gehört Wasser? Prinzipiell können Rohstoffe ja auf dem Markt gehandelt werden. Bei Holz, Edelsteinen oder Metallen ist die Besitzfrage eher einfach geklärt: Sie gehören demjenigen, auf dessen Grund sie gefunden werden. Wer aber hat das Recht auf Nutzung (und die Pflicht zur Erhaltung) bei einem Stoff wie Wasser, der in Flüssen zum Teil durch viele Länder fließt und ohne den kein Mensch überleben kann? Darf so ein Stoff überhaupt jemandem gehören?
Natürliche Monopole
„Wasser ist ein Lebensmittel und wie jedes andere Lebensmittel sollte das einen Marktwert haben“, sagte Nestlé-Chef Peter Brabek einst im Dokumentarfilm „We Feed The World“. Er nennt die Forderung, Wasser zu einem Menschenrecht zu erklären, eine „Extremlösung“. Worte wie diese beunruhigen viele Menschen nicht ohne Grund. Was würde passieren, wenn ein multinationaler Konzern bestimmen könnte, woher wir unser Wasser bekommen und wie viel wir dafür zahlen müssten? „Netzgebundene Dienstleistungen wie Wasser gelten als natürliche Monopole und eignen sich nicht für private Anbieter“, sagt Kattnig, „Schließlich interessiert private Anbieter auch nicht die Frage von Investition, Nachhaltigkeit und Umweltkosten.“
Bereits in privaten Händen
Alles berechtigte Einwände, aber auch Kattnig gesteht ein, dass die EU-Richtlinie streng genommen niemanden zur Privatisierung zwingt. Wer sein Wasser in private Hände geben will, kann das heute auch schon machen. In Österreich haben über 90 Gemeinden ihre Wasserversorgung an teilprivatisierte Unternehmen ausgelagert. Eine davon ist die Marktgemeinde Gablitz, deren Trinkwassernetz seit 2010 von der Energieversorgung Niederösterreich (EVN) betrieben wird. Bürgermeister Michael Cech erklärt, man habe sich dazu entschieden, weil die Sanierung des alten Netzen viel Geld gekostet hätte und Gablitz durch die EVN auch an das Wiener Hochquellwassernetz angeschlossen wurde. Genau in solchen Fällen werden viele Aufträge bisher unter der Hand vergeben – und fördern somit Korruption. Würden die Transparenzrichtlinien der EU in Kraft treten, wäre das nicht mehr so leicht möglich. Cech betont, man sei nach anfänglichen Schwierigkeiten mittlerweile sehr zufrieden mit der privaten Lösung und sagt: „Wir haben das Gefühl, weiterhin Kontrolle über unser Wasser zu haben. Schließlich ist alles vertraglich genau geregelt.“
Auf die Finger schauen
Was sagt uns das alles? Die Aufregung um Privatisierung des Wassers per se ist berechtigt – Wasser ist eben kein Lebensmittel wie jedes andere und kann nicht nur durch die Augen des Marktes gesehen werden. Es ist gut, wenn Bürger und Bürgerinnen ihren gesetzlichen Vertretern auf die Finger schauen. Die Diskussionen, die rund um das Thema Wasserprivatisierung geführt werden, sind wichtig und richtig. Genauso wie die Tatsache, dass Menschen Krach machen sollen, wenn sie das Gefühl haben, dass Gesetze mehr Schlechtes als Recht bringen. In diesem Fall aber sollte man aber ganz genau hinsehen, worum es geht und sich nicht von den verbalen Keulen (egal welcher Seite) blind schlagen lassen. Sonst schaut man am Ende bloß durch die Finger.
BIORAMA hat Michael W. Cech, den Bürgermeister der Marktgemeinde Gablitz, und Thomas Kattnig, den österr. Koordinator der Bürgerinitiative “Wasser ist ein Menschnrecht” um ein Kommentar zur Wasserprivatisierung gebeten. Pro und Contra – lest selbst: www.biorama.eu/glasklare-argumente
Fahrradkurs für Erwachsene
Die Radfreunde versuchen das Thema Nachhaltigkeit am Beispiel des Radfahrens mit der Sozialdemokratie zu vereinen. Der Radverkehr ist gelebte nachhaltige Alltagsmobilität mit positiven Auswirkungen auf die Lebensqualität, Gesundheit, Umwelt, das Sozialgefüge und die wirtschaftliche Situation der Menschen. In Kooperation mit der BIORAMA und dem ARBÖ veranstalten die Radfreunde Fahrradkurse für Erwachsene. Gedacht sind diese für Erwachsene, die kaum Praxis am Fahrrad besitzen oder gar nie Radfahren gelernt haben. BIORAMA hat dazu mit dem Gründer der Radfreunde, Armin Hanschitz, gesprochen.
BIORAMA: Ein Fahrradkurs für Erwachsene – warum braucht es das? Man geht immer davon aus, jeder könnte Fahrradfahren…
Armin Hanschitz: Es gibt einerseits ältere Menschen, die keine Fahrradpraxis besitzen und gerne auf einem Übungsplatz wieder in Schwung kommen. Andererseits gibt es aber auch Menschen, die nie Fahrradfahren gelernt haben und damit die Möglichkeit bekommen, sich auf ein Lernen ohne Stress einzulassen. Menschen mit Migrationshintergrund haben dabei oft ein gewisses Manko. Für sie wollen wir gerne die Möglichkeit bieten zukünftig sicher mit dem Rad unterwegs sein zu können.
Wie oft benutzen Sie selbst ihr Rad? Schrecken Sie dabei vor schlechter Witterung und Kälte zurück?
Ich selbst bin Alltagsradfahrer und nutze das Rad sooft ich Lust habe – das ist fast täglich. Wenn es regnet habe ich persönlich weniger Lust und steige dann gerne auf die öffentlichen Verkehrsmittel um. Kälte macht mir weniger aus. Es ist für mich eine gute Gelegenheit mich auch zwischendurch im Freien aufzuhalten, indem ich ins Büro und privat per Rad unterwegs bin. Dadurch komme ich im Schnitt in der Woche auf 30-50 km ohne eine große Radtour gemacht zu haben.
Laut einem Artikel in der Wiener Zeitung sind zwei Drittel aller Wege, die die Wiener so haben, unter 5 km lang und könnten somit am schnellsten mit dem Rad bewältigt werden. Trotzdem wird viel zu oft aufs Auto zurückgegriffen. Was ist der Hauptgrund dafür Ihrer Meinung nach?
Für viele junge Menschen, und besonders für die aus südosteuropäischen und osteuropäischen Kulturkreisen ist es wichtig, ein eigenes Auto zu besitzen denn dies sagt in ihren Augen etwas über ihre soziale Stellung aus. Menschen, die in den 50- bis 70ern aufgewachsen sind, also in der Zeit indem die Vollmotorisierung für Modernität gestanden hat, empfinden das Auto auch noch oft als ein Artefakt des Aufstiegs, das ihnen nicht genommen werden darf. Und dann ist es für viele einfach die pure Gewohnheit oder Bequemlichkeit, oder beides.
Was müsste Ihrer Meinung nach geschehen, damit mehr Menschen aufs Rad umsteigen?
Das Radfahren wird derzeit in Wien recht stark emotional debattiert. Es fahren zwar immer mehr Menschen mit dem Rad, bestimmte Strecken sind für ungeübte Radfahrer allerdings immer noch nicht sicher zu befahren. Einerseits ist die bauliche Beengtheit Grund dafür, andererseits, so meine Beobachtung, das respektlose agieren mancher Radfahrer untereinander. Mir fällt fast bei jeder Ausfahrt auf, dass gewisse RadfahrerInnen nur wenig Rücksicht auf andere Radfahrende oder Fußgänger nehmen. Deshalb fahren oft die sportlichen Jungen, die anderen trauen sich das nicht zu. Damit aber mehr Menschen aufs Rad steigen, müsste schon bei Kindern auf die Vorteile des Radverkehrs sensibilisiert werden. Es ist einerseits ein Bewusstseinsbildungsprozess und andererseits braucht es einen offensiven Ausbau des Fuß- und Radwegeinfrastruktur. Parallel muss auch die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel gefördert werden. Der öffentliche Raum sollte nicht als „Lagerfläche“ für Autos verwendet werden, dafür ist er wertvoll.
Viele Menschen fahren gerne Fahrrad lassen sich aber von genau diesen Dingen abschrecken und erklären das Fahrradfahren zum Hobby. Was raten Sie ihnen?
Das ist schon mal eine gute Ausgangsbedingung, immerhin sind sie somit geübte RadlerInnen. Aber um eine entsprechende Lebensqualität in der Stadt für möglichst viele erreichen zu können, muss der motorisierte Individualverkehr möglichst gering werden, um weniger CO2, Staub, Stickoxide etc. zu emittieren, damit der problematische CO2-Gehalt, das bodennahe Ozon im Sommer, die Feinstaubproblematik, aber auch der Lärm weniger wird. Radfahren ist sehr praktisch, wirtschaftlich günstig und die tägliche Bewegung im Freien ist eindeutig lebensverlängernd. All das ist bewiesen und es macht dazu auch noch Spaß, man schüttet Endorphin aus – viel mehr Vorteile sind kaum möglich.
Bild: M. Hanschitz
Ich fahre selbst gerne und oft mit dem Fahrrad, daher will ich auch ein gut funktionstüchtiges besitzen- schleunigst wurde es gestohlen. Was könnte gegen die hohe Zahl der Fahrraddiebstähle getan werden?
Das ist in der Tat eine heikle Situation, ist mir leider auch schon mehrmals passiert. Dagegen helfen mehrere Maßnahmen. 1. Gut sichern! Mit einem stabilen Schloss und einer geeigneten Möglichkeit zum Anhängen. Absperrbare und genügende Fahrradboxen wären natürlich ideal. Im modernen Wohnbau sind entsprechende Fahrradräume bereits Usus, in den Gründerzeithäusern ist es oft problematisch. 2. Müsste die Polizei diesbezüglich einfach mehr kontrollieren, damit die Banden davor mehr abgeschreckt werden. Dabei sehe ich aber das Problem, dass dafür realistisch gesehen kaum Personalressourcen vorhanden sind.
Wie sehen Sie die Zukunft der Fahrradfahrer in Österreich oder speziell in Wien? Sind sie zuversichtlich? Wird die Zahl der Radler steigen?
Ja, absolut! In 20 Jahren wird sich das Straßenbild diesbezüglich bereits völlig verändert haben. In den nächsten 5-10 Jahren wird’s ein Hick-Hack bleiben weil die extremen Auto- und andererseits die extremen Rad-BefürworterInnen ihren Glaubenskrieg noch ausbauen. Die beiden Gruppen müssten viel mehr aufeinander zugehen, denn derzeit ist das einfach ein Machtkampf. Wie so oft, wenn Veränderung notwendig ist, gibt es einerseits die Beharrer und andererseits diejenigen, denen es zu langsam vorwärts geht. In rund 10 Jahren ist dieser Wandel konsolidiert und danach ist die Raddebatte auf diesem Emotionslevel hoffentlich obsolet.
Nähere Infos zum Fahrradkurs für Erwachsene:
Wann: Sonntag, 18. August 2013
Wo: ARBÖ Radübungsplatz (Wien 23, In der Wiesn, direkt bei der U6 Station Erlaaer Straße)
Anmeldung: www.radfreunde.at bzw. www.arboe-rad.at
Bildung auf einer neuen Ebene
Bild: INEX Sustainability Challenge
In einem innovativen Lernkonzept haben sich über 80 Studierende aus 50 verschiedenen Studienrichtungen und vier Universitäten gemeinsam dem Thema Nachhaltige Entwicklung gewidmet. Die konkrete Frage der diesjährigen INEX Sustainability Challenge lautete: “Welche Implikationen hat das 2-Grad-Ziel?”. Interdisziplinarität war maßgebend, um sich mit der Herausforderung nachhaltigen Wandels auseinanderzusetzen, zu vernetzen und neue Lösungswege aufzuzeigen.
Die BOKU (Universität für Bodenkultur), WU (Wirtschaftsuniversität Wien), TU (Technische Universität Wien) und die Universität Wien haben das Programm gestaltet. Den Studenten wurde es ermöglicht, einen Teil ihrer Studienleistungen im Rahmen einer Ringvorlesung gemeinsam zu absolvieren. Die Ring-Lehrveranstaltung fördert das Verständnis sozialer, ökologischer und ökonomischer Entwicklung und beschäftigt sich mit konkreten Lösungen für reale Probleme. Sie sieht sich somit als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik.
Die INEX Sustainability Challenge setzt in Kooperation mit der Österreichischen UNESCO Kommission sowie dem BMWF (Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung) die Österreichische Nachhaltigkeitsstrategie um. Das Lehr- und Lernkonzept einer interaktiven Ringvorlesung in mehreren halbtätigen Blöcken koordiniert dazu verschiedene Fachrichtungen und bindet Experten aus unterschiedlichen Sparten ein. Gruppenarbeiten, Diskussionen und Evaluierungen in Panelgesprächen sind Lehrelemente. So sollen eine umfassende Wissensbasis, Problemlösungskompetenzen und vor allem vernetztes Denken und Fähigkeiten der Team- und Konfliktfähigkeit der EntscheidungsträgerInnen von morgen geschaffen werden.
Über vier Monate haben interdisziplinäre Arbeitsgruppen von Change Makers theoretische Inhalte zu den Themen Klimawandel, ökologische Ökonomien, Nachhaltiges Bauen und Energie als auch sozial-ökologische Politiken gehört und anhand dieser – beraten durch vier UniversitätsprofessorInnen Helga Kromp-Kolb (BOKU), Christian Rammel (WU), Karin Stieldorf, Wolfgang Gawlik (TU) und Alice Vadrot (Uni Wien) – Nachhaltigkeitsprojekte mit Praxispartnern entwickelt und betreut. Am 19. Juni 2013 findet nun im Festsaal der TU Wien die Abschlussveranstaltung der 4. Sustainability Challenge statt.
INEX Sustainability Challenge Touch Down
19. Juni 2013, 17.30 Uhr
Wien, Technische Universität Wien (Festsaal)
Teile dein Essen
Martin Haiderer, Gründer und Obmann der Wiener Tafel, im Interview mit BIORAMA über den Start von myfoodsharing.at.
BIORAMA: Wie funktioniert myfoodsharing.at? Was sind die Unterschiede zum System in Deutschland?
Martin Haiderer: Myfoodsharing.at ist eine Webpage, die als virtueller Tausch-Platz – im Sinne von Tauschen und Teilen – von genusstauglichen, einwandfreien Lebensmitteln dient. Durch die Online-Plattform werden jene Menschen vernetzt, die durch Teilen und Tauschen verhindern möchten, dass gute, genusstaugliche Lebensmittel vernichtet werden.
Wie kann man mitmachen?
Wer Lebensmittel kostenlos abgeben möchte, stellt einen “elektronischen Warenkorb” ins Netz. Potenzielle ÜbernehmerInnen wählen einen virtuellen Lebensmittelkorb in ihrer Nähe und holen die Nahrungsmittel kostenlos ab. Beiden ist gedient und die Umwelt wird geschont: Wertvolle Ressourcen werden sinnvoll eingesetzt, statt im Müll zu landen! “Fairteiler”, also organsierte konkrete Tauschplätze, dienen ebenfalls dem gezielten Tausch von Lebensmitteln. Den ersten Fairteiler Österreichs etabliert Michaela Russmann von der Bio.Werkstatt in der Biberstraße 22, 1010 Wien.
Ein ganz konkretes Beispiel: Ich habe 250 ml Schlagobers, das morgen ablauft. Was mache ich damit?
Zuallererst muss ich klären: Was läuft ab? Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) oder das Verbrauchsdatum? Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum kurz davor, abzulaufen, sagt das über die Güte des Lebensmittels nicht zwingend etwas aus. Das MHD ist eine Garantie des Herstellers, dass bis zum angegebenen Zeitpunkt, in Verbindung mit der angegebenen Lagertemperatur, das Lebensmittel die vom Hersteller bestimmte Qualität und den mikrobiologischen Zustand behält. Ist das MHD abgelaufen, ist es so, als ob man das Produkt selber hergestellt hat und man auch die volle Verantwortung dafür trägt. Allerdings ist auch jedem bekannt, dass zum Beispiel bei einem Joghurt, welcher sieben Tage nach Ablauf des MHDs verspeist wird, sich vielleicht ein wenig Wasser abgesetzt hat oder die Farbe der Fruchtmischung durchscheint, genießbar ist er aber immer noch.
Ist das Schlagobers originalverpackt und durchgehend gekühlt gewesen, kann man davon ausgehen, dass es einwandfrei ist und es bedenkenlos weitergeben: auf myfoodsharing.at einen Essenskorb einrichten und mit den Angaben über das Produkt jemandem anbieten, der vorbeikommt, um es sich abzuholen. Gibt es einen Fairteiler in der Nähe, kann man dort vorbeigehen und das Obers für jemanden deponieren, der sich über ein kostenloses gutes, genusstaugliches Lebensmittel freut.
Wie ist die Idee generell entstanden? Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Filmemacher und Foodsharing-Pionier Valentin Thurn, um das Konzept auch in Österreich umzusetzen?
Die Wiener Tafel rettet bis zu drei Tonnen Lebensmittel pro Tag vor dem Müll und versorgt mit den wertvollen Warenspenden von 180 Unternehmen aus Industrie, Handel und Landwirtschaft 12.000 Armutsbetroffene in 85 Sozialeinrichtungen im Großraum Wien. Neben dem sozialen Transfer gehört Bewusstseinsbildung zu den Kernaufgaben der Wiener Tafel: Mit einer Vielzahl an Maßnahmen machen wir eine breite Öffentlichkeit darauf aufmerksam, dass Lebensmittel eine wertvolle Ressource darstellen. Lebensmittel gehören in den Magen nicht in den Müll! In diesem Sinne ist die Wiener Tafel mit dem Dokumentarfilmer Valentin Thurn bei der Österreich-Premiere seines Filmes “Taste the Waste” in Kontakt getreten. Aus diesem ersten Kennenlernen ist die Zusammenarbeit für myfoodsharing.at geworden. Schließlich kann jede und jeder neben dem sozialen Transfer und dem Mitbauen an der tragfähigen Brücke zwischen Überflussgesellschaft und Bedarfsgesellschaft im privaten Bereich dazu beitragen, dass Lebensmittel nicht verschwendet, sondern verwendet werden.
Wie erfolgreich ist das Projekt in Deutschland?
Ein knappes halbes Jahr nach dem Start von foodsharing.de konnten die Organisatoren Millionen von Seitenaufrufen verzeichnen, 18.000 Menschen, die sich registriert haben und Anfang Juni bereits über 5.000 Kilogramm Essen, das vor dem Müll gerettet worden ist. Allein in den ersten 24 Stunden nach dem Relaunch haben sich mehr als 50.000 Leute die Seite foodsharing.de angesehen. Sie bleiben durchschnittlich rund fünf Minuten. Fast 24.000 Facebook-Fans hat die Seite inzwischen. Am 31. Mai konnten wir gemeinsam mit Umweltminister Nikolaus Berlakovich und Valentin Thurn myfoodsharing.at für Österreich freischalten.
Welche Teilnahme erwarten Sie für Österreich?
Bis jetzt haben sich bereits weit über 1.000 Menschen auf der Seite registriert und in 17 österreichischen Städten konnten knappe 100 Kilogramm vor dem Müll gerettet werden. Die Wiener Tafel ist sehr zuversichtlich, dass mit der innovativen und leicht zu nutzenden Website myfoodsharing.at auch in Österreich eine sehr erfolgreiche Möglichkeit, mit Lebensmitteln nachhaltig und verantwortungsbewusst umzugehen, geschaffen wurde.
Machen Sie persönlich mit beim Foodsharing?
Schon bevor dieses grundgescheite Konzept eine so innovative und technisch ausgereichte Lösung gegossen wurde, haben wir in der Wiener Tafel im kleinen Stil Foodsharing betrieben. Wenn man täglich so wie wir in der Wiener Tafel mit der erdrückenden Realität von Lebensmittelernichtung und gleichzeitiger Armut in unserem Land konfrontiert ist, entwickelt man ganz automatisch Sensibilität für das Thema und bemüht sich, bereits beim Einkaufen, mit Augenmaß zu agieren. Nichtsdestotrotz: Niemand ist perfekt! Und wenn einmal was übrig bleibt: Mit ein bisschen Kommunikation findet sich rasch eine Abnehmerin oder ein Abnehmer für gute Lebensmittel!
Warum glauben Sie, die Menschen werden den Aufwand und die Mühe nicht scheuen Lebensmittel einzutragen, sich Abhol-Zeitpunkte auszumachen etc., wenn der durchschnittliche Konsument doch so schwer zu motivieren ist, mehr Zeit, Geld oder Aufwand für die nachhaltigere Alternative aufzuwenden?
Die technischen Kommunikationsmittel Smartphone und Rechner bringen auch jüngere Zielgruppen zum Nachdenken, Handeln und Kommunizieren. Myfoodsharing.at ist auch eine Möglichkeit, nette Leute kennenzulernen. Gemeinsam Kochen und Genießen sind ja auch Möglichkeiten, eine gute Zeit zu haben. Und der Weg zur Arbeit vorbei an einem Fairteiler ist im besten Fall auch kein nennenswerter Mehraufwand, der jedenfalls den Vorteil bietet, mit einem guten Gefühl in den Tag zu gehen.
Denken Sie, die Zukunft der Nachhaltigkeitsbewegung liegt in der Vernetzung von Privatpersonen? Warum hier statt bei den Unternehmen ansetzen?
Es ist keine Frage des „entweder oder“, sondern des „sowohl als auch“. Die Wiener Tafel kooperiert seit 14 Jahren sehr erfolgreich mit der Wirtschaft – mit Industrie, Handel und Landwirtschaft. Langjährige Partnerschaften sind das Produkt von Überzeugungsarbeit und Vertrauensbildung. Aber: Jede Unternehmerin, jeder Unternehmer ist auch Privatperson. Wer in seinem privaten Alltag nachhaltig denkt und handelt, wird mit großer Wahrscheinlichkeit seine persönliche Überzeugung auch im unternehmerischen Tun verwirklichen.
Wie greift Foodsharing das Problem an der Wurzel an? Nämlich, dass wir oft zu viel einkaufen bzw. nicht haushalten können?
Die Wiener Tafel arbeitet daran, dass der Wert von Lebensmitteln spürbar und erlebbar wird. Dazu dienen viele Maßnahmen, die neben der Kernaufgabe des Sozial- und Umweltvereins geleistet werden. Myfoodsharing.at ist eine Möglichkeit von vielen, dieses Bewusstsein für die Verantwortung jeder und jedes Einzelnen zu schaffen. Foodsharing packt das Problem insofern an der Wurzel, als eine sinnvolle Lösung für ein globales Problem im direkten Handlungsbereich der einzelnen Handelnden angeboten wird. Und das losgelöst von der Schuldfrage. Wer noch nicht gelernt hat geplant einzukaufen und klug zu haushalten, der bekommt die Möglichkeit dazu – mit viel Information und einfach verständlichen und sinnvollen Lösungen!
Neugierig geworden? Hier geht’s zu myfoodsharing.at
Berta Beispiel
Firma XYZ
Meine 3 Tipps:
Women Welcome Women World Wide
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Patschenkino von 14. bis 20. 6.
Bewusst leben. Bewusst fernsehen und Radio hören. Ausgewähltes für Heimkino und Radioempfangsgerät vom 14. bis zum 20. Juni 2013.
Freitag, 14. 6.
10:00 ORF III // Naturreich (TV)
Vor ca. 30 Jahren begann Henning Wiesner, Leiter des Münchner Tierparks, Przewalski-Pferde in ihrer Heimat Kasachstan auszuwildern. Das Artenschutzprojekt besteht heute noch erfolgreich.
10:10 Servus TV // Die Erde von oben (TV)
Die Nahrung für die Welt steht im Mittelpunkt. Wie die moderne Landwirtschaft bergab geht und wie dringend nötig das Umdenken der Bevölkerung bewirkt werden muss. Eine Reise mit Blick auf Gesundheit und Agrarwirtschaft.
16:00 Ö1 // Im Gespräch (TV)
“Die Digitalisierung hat, wie ein Hammer, zwei Seiten. Man kann damit jemanden erschlagen oder ein Haus bauen” – Es geht darum wie Computerprogramme unsere Wahrnehmung modifizieren, Persönlichkeitsprofile verkauft werden, sowie die Frage nach den Folgen der “stillen Revolution” für Demokratie und Gesellschaft.
16:05 ORF III // Im Brennpunkt: Natur im Wandel – der Ökomotor stottert (TV)
Über die Einschleppung nicht-heimischer Tiere und Pflanzen und wie sie zur Plage für eine Region werden können, berichtet diese Reportage. Auch die Folgen des Klimawandels werden beleuchtet und was Regionen zu ertragen haben – von Erdrutsch bis Vulkanausbruch.
Samstag, 15. 6.
16:35 Servus TV // Wildes Land (TV)
Wolf und Luchs sind spannende Tiere, die seit kurzem wieder in unseren Wäldern leben. Auch Biber und Kaiseradler zählen zu den Wiederkehrern. Die Dokumentation folgt den spannenden Tieren.
Sonntag, 16. 6.
9:05 Servus TV // Wie viele Menschen verträgt die Erde? (TV)
Jeden Tag werden 400.000 Menschen geboren. Die Bevölkerung steigt. Sir David Attenborough beleuchtet das stetige Bevölkerungswachstum kritisch. Statements von Umweltschützern, Bevölkerungswissenschaftlern, Technikern und Ärzten zur Frage, inwiefern die Bewegung Kontrolle benötigt.
Montag, 17. 6.
9:30 Ö1 // Radiokolleg – Fair-Reisen (Radio)
Sozial- und umweltverträgliche Reisen werden in den letzten Jahren vermehrt nachgefragt. Es geht um die Ethik hinter dem Reisen, WWOOFen und einige Angebote, durch die sich Interessierte im Internet durchschlagen können.
18:05 ORF III // Naturreich (TV)
Otter sind die gefräßigsten Fischfängern überhaupt, daher kämpfen Fischer im Normalfall gegen sie. Nicht so in Bangladesh, dort bedient man sich zahmer Otter zur Mithilfe beim Fischfang und lebt mit den Tieren in Symbiose.
Dienstag, 18. 6.
12:45 arte // arte Reportage: Südafrika: Aufstand der Landarbeiter
Die Landarbeiter in Südafrika sind von jedem Fortschritt ausgeschlossen – sie arbeiten für Hungerlöhne und leben in baufälligen Hütten. Proteste gab es erstmals Ende letzten Jahres mit mäßigem Erfolg. Ihre Situation hat sich vielfach noch nicht verbessert.
16:00 Ö1 // Da capo: Ambiente (Radio)
Costa Rica ist ein Paradies und besitzt eine unglaubliche Vielfalt in Flora und Fauna. Diese wird durch exzessive Eingriffe in die Natur allerdings immer mehr in Gefahr gebracht, denn Plantagen breiten sich aus. Nachhaltiger Tourismus könnte dem Land eine Zukunftsperspektive geben.
19:05 Ö1 // Dimensionen: die Welt der Wissenschaft (Radio)
Nationalparks dienen der Erhaltung und Erforschung von Naturraum. Pilotstudien aus dem Nationalpark Hohe Tauern präsentieren erste Ergebnisse über die Auswirkungen von Umweltveränderungen im Gebirge.
Mittwoch, 19. 6.
19:08 ORF III // Reisen und Speisen (TV)
Das Donaudelta ist Europas größtest Feuchtgebiet und seit mehreren Jahren Weltnaturerbe. Das rumänisch-ukrainische Gebiet ist eine einmalige Naturschönheit mit vielen Schätzen.
Donnerstag, 20. 6.
12:45 arte //arte Reportage (TV)
Man könnte glauben die Geschichte wiederholt sich. Gastarbeiter kommen wieder nach Deutschland – das noch am wenigsten krisengeschüttelten Land derzeit.
Fashion, Food, Fesch
© ClaudioFarkasch
„Aus Liebe zur Indie Kreativ-Szene“ startet am 21. Juni die sechste Ausgabe des Feschmarkt. In diesem Jahr stehen ganze drei Tage buntes Designvergnügen am Programm.
Wir wissen gar nicht so richtig, wo wir anfangen sollen, so viel hat das Marktfestival für junge Kunst- und Design vor. Also beginnen wir mal mit den Basics: Es ist wieder Feschmarkt, wieder in der Ottakringer Brauerei, wieder mit ausgesuchten Ausstellern. Das hat sich bewährt und die letzten Jahre Hundertschaften von kunst-, mode- und designaffinen Leuten in den 16. Bezirk gelockt.
Fast ganz groß ist diesmal der Feschmarkt Mini mit dabei. Der Kinderdesignmarkt ist erstmals als räumlich separater Bereich am regulären Feschmarkt vertreten. 40 Aussteller präsentieren am Gerstenboden ihre Kreationen für Kinder von Null bis Zwölf. Beim Food-Market am Hopfenboden der Brauerei können Spezialitäten von Kleinproduzenten verkostet werden.
Mit Fesch on Bike gibt’s am Sonntag (23. Juni) einen eigenen Outdoor-Fahrradmarkt und ja, das freut uns natürlich besonders! Die Auskenner der hiesigen Zweiradszene, u.a. Woombikes, Heavy Pedals und Radlager Palazzo, werden Lieblingsräder, Glanzstücke und neue Designs herzeigen.
Das Büro der Feschmarktleute wird währenddessen zur Kleidertauschbörse umgewandelt. In der Grundsteingasse 68 (16. Bezirk) wartet unter anderem die Ute Bock Charity Box darauf, mit textilen Schätzen jüngerer Vintage-Geschichte gefüllt zu werden.
Im Atelier Peph (in Gehweite von der Ottakringer Brauerei entfernt) kann indess selbst Hand angelegt werden: Siebdrucken, Stencilschneiden, Körbeflechten, den eigenen Wein kreieren – in der Workshop-Area kann man sich handwerklich und kreativ austoben, unter fachkundiger Anleitung versteht sich. Um Voranmeldung wird gebeten.
In Kooperation mit Volxkino wird zum gratis Kinovergnügen am neu renovierten Ottakringer Platz geladen, Speis und Trank sowie Tom Schilling, der als Niko in „Oh Boy“ durch ein Berlin in Schwarz-Weiß streift (21. Juni, 21 Uhr).
Und am Samstag, 22. Juni ist natürlich auch noch Zeit für Party. Ab 22 Uhr wird im Ragnarhof mit Wolfgang Hoffer (Channel-F), Pinie Wang und Paul Raal gefeiert. Puh. Wir freuen uns!
Feschmarkt #6
Wien, Ottakringer Brauerei und andere Locations
21. bis 23. Juni, 11 bis 20 Uhr
Weitere Infos und das detaillierte Programm gibt’s unter www.feschmarkt.at und facebook.com/feschmarkt
Women Welcome Women World Wide
Illustration Nana Mandl
Vor fast 20 Jahren steckte eine Frau namens Frances Alexander in einer kleinen Stadt etwa 50 Kilometer westlich von London eine Liste mit Frauennamen in ein Kuvert. Es war die erste Mitgliederliste des Reisenetzwerkes Women Welcome Women World Wide (5W), die sie verschickte.
Mit ihrer neu gegründeten Organisation gedachte sie, Frauen überall in Europa miteinander zu verknüpfen, damit diese einander treffen und gegenseitig besuchen können. 5W ist sozusagen eine Frühvariante des Couchsurfens für Frauen. Heute hat 5W etwa 2.300 Mitglieder in 88 Ländern überall auf der Welt. 5W-Frauen kommunizieren längst nicht mehr nur per Brief miteinander, sondern online. Caroline Stevens und Moira Byers, beide langjährige Mitglieder des Netzwerkes, erzählen von ihren Erfahrungen mit 5W.
BIORAMA: Worum geht es bei Women Welcome Women World Wide? Mit welcher Intention gründete Frances die Organisation?
Caroline: Die Idee war, das Selbstbewusstsein von Frauen überall in Europa zu stärken. Eine Reise zu planen, ein Wochenende im Nachbarland zu verbringen, verschiedene Lebensstile kennenzulernen und Freunde in fremden Ländern zu gewinnen, ist sehr gut für das Selbstwertgefühl und die Persönlichkeitsbildung und es macht stark. Durch eine kleine Spende erhält man Zugriff auf die Mitgliederliste. Frances ist überall in Europa, Nord- und Südamerika und auch Australien herumgereist und hat 5W-Mitglieder besucht. Sie ist nicht aufzuhalten. Wird sie gefragt, wieso sie so viel Zeit in das Projekt steckt, sagt sie: »I like to see things happen!«
Wie unterscheidet sich 5W von anderen Reiseportalen wie Couchsurfing?
Moira: Ich bin in einem abgelegenen Nest auf den Okney-Inseln aufgewachsen, in dem jeder Tag und jede Facette des täglichen Lebens von den Normen und Werten der Dorfgemeinschaft dominiert wurde. Als erwachsene Frau wurde mir klar, dass ich mein ganzes Leben nach den Erwartungen anderer ausrichtete. Ich hatte mir eine Maske erschaffen, hinter der ich meine Schüchternheit und meine Unfähigkeit, frei und selbstbewusst zu sprechen, versteckte und fühlte mich sehr isoliert. Durch 5W habe ich Frauen kennengelernt, die ähnliche Probleme hatten und auch erst lernten, wie man Lebensfreude empfindet und für sich selbst einsteht. Durch die Loslösung von unserem einsamen Leben gewannen wir Selbstbewusstsein. In der toleranten und geschützten Atmosphäre von 5W trauten wir uns erstmals, uns anderen zu öffnen. Ich spüre, dass 5W ein Katalysator für Veränderung ist. Wir können einander helfen, wenn wir zusammenarbeiten, wenn wir etwas von uns selbst investieren und wenn wir auch als selbständige Menschen das Fremde kennenlernen. Unsere Art von Reiseerfahrung überwindet Einsamkeit und ich glaube, dass sie eine Atmosphäre erschafft, die die Welt verbessern kann.
5W wird auch von vielen älteren Frauen genutzt. Ist 5W vor allem etwas für Frauen über 55? Wieso sollte jemand, der kein abgebrannter, ausgehungerter Student mehr ist, irgendjemandes Sofa einem Hotel vorziehen?
Caroline: 5W war nie und ist nicht speziell auf ältere Frauen ausgerichtet. Es ist nur so, dass Frauen, die nicht mehr arbeiten müssen und deren Kinder erwachsen sind, mehr Zeit für ausgedehnte Reisen haben. Wir bieten ihnen die Möglichkeit, ein Land aus der Perspektive einer Einheimischen zu sehen, was viel besser ist als in Hotels und auf den Touristenrouten gefangen zu sein. Außerdem halten einige der so entstehenden Freundschaften ein Leben lang.
Gilt es für Frauen über 55 Jahren andere Hemmschwellen zu überwinden, als für andere?
Moira: Ich glaube, die wichtigste Aufgabe von 5W ist es, anderen Frauen zu helfen Befangenheit aller Art hinter sich zu lassen. Dies ist ein Punkt, auf den unsere Organisation großen Wert legt. Mir persönlich kommen andere Menschen nicht mehr so fremd vor, seit ich mich im Zuge von 5W mit Frauen von überall her treffe und unterhalte. Mir ist, als würde das Leben für mich gerade erst anfangen. Ich bin zwar gerade allein, aber ich habe keine Angst. Als ich 2012 Stuttgart besuchte, übernachtete ich bei einer deutschen 5W-Host-Familie. Ihre beiden 17-jährigen Zwillingssöhne besuchten eine Rudolf-Steiner-Schule. Den Zwillingen schrieb niemand vor, sich in bestehende soziale Systeme einzufügen. Zusammen sind wir mit dem Zug nach Heidelberg, Nürnberg, Würzburg und Fulda gefahren. Nicht eine einzige Minute lang langweilten wir einander. Wir haben etwas gewagt und eine neue Sicherheit geschaffen. 5W hat mir geholfen, in solchen Situationen offener zu werden. Nie bin ich so schnell an meinen Aufgaben gewachsen, nie habe ich mich so reich gefühlt.
Wie verhält sich 5W zu Begriffen wie Feminismus und Empowerment? Hilft es Frauen dabei, sich behaupten zu lernen, wenn sie allein reisen?
Moira: Ich halte mich selbst für ziemlich revolutionär. Ich habe das Gefühl, dass ich mit vielen Frauen auf der Welt gemeinsam für Frieden und Demokratie einstehe. So etwas beginnt bei kleinen Dingen. Es gibt dieses Zusammengehörigkeitsgefühl in der Organisation. 5W-Frauen sprechen viel darüber, wie sie mit ihren neu gewonnen Erfahrungen zu Hause umgehen werden, in der Ehe, im Job, mit Kollegen, in ihrer Gemeinde und im Freundeskreis. Obwohl viele internationale Abkommen ihre Rechte schützen sollten, ist Armut und Analphabetismus unter Frauen auf der ganzen Welt noch immer sehr viel verbreiteter als unter Männern. Frauen in ihrem Recht zur Selbstbestimmung zu unterstützen, hilft ganzen Familien und viele zukünftige Generationen werden davon profitieren. 5W bietet auch Geschenksmitgliedschaften an. Dabei kann ein 5W-Mitglied stellvertretend die jährliche Mindestspende für eine Frau in einem armen Land übernehmen. Selbst, wenn diese Frau nicht die Mittel hat, selbst zu reisen, bietet ihr die Mitgliedschaft die Möglichkeit, andere Frauen zu treffen und diese Zusammenkünfte für ihre eigene persönliche Entwicklung zu nutzen.
5W hat auch Mitglieder in ziemlich gefährlichen Ländern, wie im Moment zum Beispiel Nigeria. Besteht die Gefahr, dass durch die Selbstpräsentation von 5W ein Gefühl falsches Sicherheitsgefühl vermittelt wird? Sieht 5W sich verantwortlich, auf Risikos hinzuweisen?
Caroline: Wir sind kein Reisebüro. Unser Ziel ist es, unsere Mitglieder überall auf der Welt miteinander bekannt zu machen. Jeder entscheidet selbst, wo er hinreisen möchte. Als erfahrene Reisende wissen unsere Mitglieder um Gefahren und informieren sich selbst über die Sicherheitslage eines Landes.
Bietet 5W im Falle von großen Problemen mit der Gastgeberin irgendeine Art von Hilfe oder Unterstützung an?
Caroline: Wenn es ein gravierendes Problem mit der Gastgeberin gibt, bemühen wir uns, beide Seiten der Geschichte anzuhören, bevor wir irgendetwas unternehmen. Manchmal handelt es sich nur um ein Missverständnis oder eine sprachliches Verständigungsproblem. Wir haben sehr viele Mitglieder und sind stolz sagen zu können, dass wir nur sehr selten von Problemen welcher Art auch immer hören. Die meisten unserer Mitglieder sind glücklich über die Erfahrungen, die sie mit 5W gemacht haben.
Was kostet die 5W-Mitgliedschaft?
5W finanziert sich ausschließlich durch Spenden unserer Mitglieder. Momentan raten wir zu einer Mindestspende von etwa 40 Euro, um Zugriff auf die Mitgliederliste zu bekommen, mit einer jährlichen Erneuerungsspende von etwa 30 Euro. Inkludiert sind auch drei Newsletter im Jahr, die stets voll mit beeindruckenden Reisegeschichten sind.
Die BIORAMA-Autorin und leidenschaftlich Reisende Teresa Reiter hat außerdem einen Leitfaden für allein reisende Frauen zusammengestellt. HIER kann man ihn lesen. Gute Reise!
Horizonterweiterung am Crossroads
Josef Obermoser, Organisator des Crossroads Festivals in Graz
Das Crossroads Festival in Graz hat letzte Woche mit den ersten Themenschwerpunkten gestartet. Zum Auftakt gab es spannende Filme und Diskussionsrunden sowie partizipative Elemente in Form von Gemeinschaftsbuffets und Radtouren. Noch bis 16. 6. läuft das Programm – wer also noch nicht dort war, schnell vorbeischauen!
Seit 5. 6. und noch bis kommenden Sonntag kann man sich am Crossroads Festival im Forum Stadtpark in Graz über verschiedene wichtige Themen unserer Zukunft informieren und mitdiskutieren. Vergangenes Wochenende lag der Schwerpunkt auf Zukunftsfähige Landwirtschaft & Urban Gardening. Im Zuge dessen konnte man zum Beispiel durch spannende Filme über die Zukunftsfähigkeit biologischer Landwirtschaft für eine Weltbevölkerung von neun Milliarden Menschen oder mehr erfahren. Landwirtschaftskonzepte aus der ganzen Welt wurden vorgestellt und verglichen. Auch auf wissenschaftlicher Ebene konnte man viel dazulernen, zum Beispiel wie die Beschaffenheit von Boden auf alles weitere Leben unserer Erde eine immense Wirkung hat.
Ansprechend waren auch Diskussionen mit Vertretern aus Politik und verschiedenen Vereinen, die ihre Ansichten präsentiert und über Probleme der heutigen Zeit gesprochen haben. Auch aus dem Publikum konnte man sich immer einschalten und im kleinen Rahmen und partizipativer Atmosphäre mit den Diskutierenden in Kontakt treten.
Das Programm für die folgenden Tage wird mit Sicherheit genauso spannend wie bisher. Viele weitere Filme, Potluck-Buffets (bei denen jeder einen Teil beisteuert), Podiumsdiskussionen und Vernetzungstreffen wird es noch geben. Die weiteren Schwerpunktthemen sind dabei Brennpunkte der sozial-ökologischen Krise am 10. und 11. 6., Frauen und der Kampf für (Geschlechter-)gerechtigkeit von 13. bis 14. 6. und Soziale Bewegungen & Aktivismus am abschließenden Wochenende (15. und 16. 6.).
Wer noch die Gelegenheit hat in Graz vorbeizuschauen sollte sich das spannende und informative Programm keinesfalls entgehen lassen!
Der Berg klagt vor Gericht
Vendanta alumina refinery, India
Bild: Amnesty International
Überquellende Giftteiche, Enteignung und Zerstörung von Zukunftsperspektiven. Der Abbau von Bauxit, dem Rohstoff für Aluminium, durch das Unternehmen Vendanta in Indien hat verheerende Folgen. Ramesh Gopalakrishnan kämpft seit Jahren für die Rechte der betroffenen Menschen. Im Gespräch mit BIORAMA erklärt der Mitarbeiter von Amnesty International , warum Indien inzwischen vor einem weit größeren Konflikt als der Ausbeutung durch den Aluminiumriesen steht und wie er die Verschmelzung von Disziplinen auf globaler Ebene als einzigen Lösungsweg sieht.
Vendanta profitiert rücksichtslos vom Bauxitabbau. Der Konzern aus dem vereinigten Königreich betreibt in Orissa, Indien, eine Mine und gefährdet damit das Leben von einem über 6000 Jahre alten, indigenen Volksstamm, den Donriah Kondh. Über die letzten Jahre sind immer wieder Skandale um Vendanta bekannt geworden: Verhaftungen, Behinderungen von Medienvertretern oder Menschenrechts-Aktivisten, Umweltverschmutzung und die Aneignung von Land gegen ungehaltene Versprechen oder lächerliche Summen stehen in Orissa an der Tagesordnung. Vendanta hat inzwischen ein ernsthaftes Reputationsproblem, auch einige Investoren haben sich zurückgezogen. Doch bis auf kosmetische Veränderungen und PR-Reaktionen hat sich nicht viel geändert.
Nun scheint ein Teilsieg der Bevölkerung erreicht zu sein: Der Abbau wurde vorübergehend gestoppt und das Oberste Gericht Indiens hat den betroffenen Gemeinden ein Mitspracherecht in den Plänen von Vendanta eingeräumt. Das ist ein wichtiger Schritt, da dieser Fall Präzedenzwirkung für viele andere hat, meint Gopalakrishnan, der für Amnesty International die Lage beobachtet. Indien hat ein sehr großes Bauxit-Vorkommen, mehr als die Hälfte der Weltreserven liegen dort. Dazu kommt, dass der Rohstoff dort sehr billig ist. Die Firmen können großen Profit daraus schlagen und das Ganze als Entwicklungsprojekt verkaufen, daher wächst auch die Zahl der Minen im Land. Vendanta war nur der Vorreiter doch es ist anzunehmen, dass Unternehmen der Aluminiumbranche ihre Operationen entlang des gesamten Bauxit-Gürtels über mehrere Regionen in Indien ausdehnen werden.
Fehlender Wille, gegen Goliath zu kämpfen
Der Hauptgrund des Konflikts ist für Gopalakrishnan klar: Niemand will sich die Finger schmutzig machen. Kein Wunder, denn es herrscht eine Asymmetrie der Macht. Vendanta hat zu viel Geld und Einfluss. Das Unternehmen kontrolliert indische Behörden und missbraucht sie für seine Zwecke, um Widersacher wegzusperren oder Journalisten und Organisationen wie Amnesty International fernzuhalten. “So etwas ist nur möglich, weil die Regierung Indiens einem fundamentalen Interessenskonflikt ausgesetzt ist.”, meint Gopalakrishnan. “Sie wollen Bauxit-Abbau und die Industrie dahinter unterstützen, wären aber eigentlich für die Rechte der Bevölkerung zuständig. Das ist nicht vereinbar.” Es mangelt nicht so sehr an Gesetzen, doch an politischem Willen, gegen Goliath zu kämpfen. Die Kontaktstelle der OECD in UK, Vendantas Heimat, hat eine Warnung ausgesprochen, wurde allerdings nicht sehr ernst genommen. Auch die Regierung Großbritanniens ist informiert, will sich aber nicht einmischen. Es gibt nur wenige, die den Kampf der indigenen Völker gegen Vendanta unterstützen.
Der Konflikt zieht radikale Kreise
Die Betroffenen der Ausbeutung sind über 6000 Jahre alte Dörfer. Der Stamm der Dongria Kondh hat isoliert gelebt und eine eigene Kultur und Traditionen gepflegt. Das alles steht jetzt auf dem Spiel, die Zukunft ist sehr unsicher. Die Menschen verstehen langsam die Hintergründe der Situation, sie merken, dass ihr Lebensraum und ihre Ressourcen von höchster Ebene attackiert werden. Sie haben zwar endlich ein gewisses Mitspracherecht erreicht, aber die Regierung scheint nicht hinter ihrem Volk zu stehen, daher gibt es langfristig keine Perspektive. Manche der Stammesangehörigen emigrieren aus der verseuchten Zone, doch sie haben noch nie in Städten gelebt, es ist also eine schwierige Entscheidung.
Bild: Amnesty International
Viele suchen daher nach einem anderen Ausweg und Unterstützung im Kampf gegen das Unternehmen. Die bewaffneten Maoisten, eine rebellische Gruppierung in Indien, die seit Jahren einen schwelenden Konflikt im Land kreieren, kommen hierbei zum Zug. So manche verzweifelte Kämpfer aus den ausgebeuteten Dörfern beginnen, sich den radikalen Gruppen anzuschließen. Es ist verständlich, da sie jemanden suchen, der sie verteidigt, doch diese Zusammenarbeit kann schwere Folgen haben. Die Rebellen sind gewalttätig und nicht zu unterschätzen, warnt Gopalakrishnan. Die Entwicklung ist bedenklich, das ist auch der Regierung auf höchster Ebene bewusst. Wir sprechen hier immerhin von einer riesigen Menschenmenge, die mit Recht verzweifelt und zornig darüber ist, wie sie ausgebeutet wird. Dies kann zu einer gefährlichen Waffe werden, wenn es gebündelt eingesetzt wird.
Ökozid-Verurteilung und interdisziplinäre Vernetzung als Zukunftsvision
Die schwierige Lage bleibt trotz Arbeitsstopp bestehen. Das Trinkwasser ist durch Giftmüll verpestet, es häufen sich gesundheitliche Probleme und keiner macht sich Gedanken darüber was passiert, wenn das Unternehmen das Land fertig ausgebeutet hat und weiterzieht – denn Verschmutzung und irreversible Zerstörung werden bleiben. Das hat einen Namen: Ökozid. Die Idee von Polly Higgins, Ökozid, also Verbrechen gegen die Umwelt, auch als Verbrechen gegen den Frieden anzuerkennen (BIORAMA berichtete), ist Gopalakrishnan bekannt, doch er ist nur teilweise überzeugt. “Dinge wie die Ökozid-Idee oder die Menschenrechts-Verordnung der UN sind gute Meilensteine um Schaden zu begrenzen, aber das Denken muss weiter gehen. Wir brauchen einen neuen Natur-Vertrag, ähnlich wie der Sozialpakt, der auf ganzheitlichem Denken basiert. Ein Rohstoff steht immer in Verbindung mit dem Land, in dem er liegt. Der Berg ist eben nicht nur eine Bauxitquelle, sondern gleichzeitig eine Quelle nachhaltigen Lebens. Geologen, Juristen, Anthropologen, Menschenrechtler – die Experten dieser Disziplinen müssen zusammenkommen und ihr Wissen zu einer neuen Regelungsgrundlage verschmelzen. Nur so werden wir wieder Harmonie erreichen, sonst werden wir beim Ökozid landen.” Gopalakrishnan sieht die ersten Ansätze dieser Transformation in Orissa: “Man kann sagen, in gewisser Weise ist der Berg zum Gericht gekommen. Die betroffenen Menschen können nicht schreiben, sie wissen nicht, was eine Petition ist, oder was das oberste Gericht ist. Sie sind ein Teil der Natur, des Berges, der ausgebeutet wird – also kann man es so sehen: der Berg selbst klagt vor Gericht, ein nicht-menschlicher Teil der Erde steht für sein Recht ein.”
Bild: Amnesty International
Was Gopalakrishnan beschreibt ist eine Revolution des globalen Denkens, Forschens, Arbeitens, Regulierens – eine unglaubliche intellektuelle und ethische Aufgabe. Noch ist ihre Umsetzung Zukunftsmusik, doch manche Menschen haben nicht viel Zeit, darauf zu warten. Die Dongria Kondh sind nicht die einzigen. Sie werden demnächst von ihrem Mitspracherecht im Vendanta-Fall Gebrauch machen. Doch ob die Lage sich langfristig positiv entwickelt, hängt von der globalen und ganzheitlichen, interdisziplinären Regelung des Konflikts ab. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
Ins Rollen bringen
BILD Christian Fürthner
Martin Blum, Wiens Radverkehrs-Beauftragter, im Gespräch mit BIORAMA.
BIORAMA: Du bist Radverkehrs-Beauftragter und Geschäftsführer der Mobilitätsagentur der Stadt Wien, somit das vormals oft vermisste Bindeglied zwischen Radfahrern und Magistratsämtern. Als ehemaliger Radbote und Experte für Verkehrspolitik beim VCÖ (Verkehrsclub Österreich) unumstritten, wirst du oft als Wiens »Chef-Radler« bezeichnet. Welche Position nimmst du bei der Mitgestaltung des Velo-city-Kongress ein? Wird der Gastgeber-Stadt überhaupt die Möglichkeit dazu gegeben?
Martin Blum: Velo-city – der Name ist ja Programm – heißt einerseits die Fachkonferenz, bei der es darum gehen wird, aus Wien eine stärkere Velo-city zu machen. Dabei ist die Verdoppelung des Radverkehrsanteils erklärtes Ziel. Die Velo-city-Konferenz als solche erfüllt den Zweck, dass Wien eine Woche lang zur Welthauptstadt des Radfahrens wird. Und ich wünsche mir, erwarte mir auch – und das ist eigentlich auch in allen bisherigen Städten so passiert –, dass durch die anwesenden Experten so etwas wie ein Keim gesetzt wird, die Saat soll in den folgenden Jahren aufgehen und das Radfahren auch wirklich in der Stadt verankert werden. Davon, das erhoffe ich mir, wird die Stadt profitieren und mehr zu einer Velo-city, im besten Sinne. Andererseits ist Wien selbst in dieser Zeit die Velo-city und das trifft konkret, wofür ich als Radverkehrs-Beauftragter zuständig bin und was wir in der Mobilitätsagentur machen. Unser Zuständigkeitsbereich ist, die Velo-city für die Wienerinnen und Wiener erlebbar zu machen. Wir gestalten die Wiener Radwoche von 8. bis 16. Juni mit einem reichhaltigen Programm (siehe Info, Anm. d. Red.).
Die Velo-city ist eine Fachkonferenz, die das Know-how aller bisherigen Radhauptstädte nach Wien bringt. Das genannte Ziel einer Verdoppelung des Radverkehrsanteils bis 2015 klingt gewaltig – in Wien ist dieser ja unglaublich niedrig. Was darf man sich da vom Wissensaustausch auf einer Konferenz realistisch erwarten? Wird es einen merklichen Impact geben?
Ja. Zum Einen wurde ja auch schon in Vorbereitung auf die Konferenz so einiges ins Rollen gebracht: Es gibt jetzt die erste Straße ohne Radweg-Benützungspflicht, es wird bald eine Rad-Zähl-Stelle geben, die klar signalisieren soll, »Jeder zählt!«, es wurden einige Radweg-Ausbauten rechtzeitig zur Velo-city fertiggestellt. Auch der Ring-Radweg wurde renoviert und deutlich sichtbarer markiert. Zum Anderen ist es natürlich so, dass sehr viele Leute aus dem Rathaus und aus dem Magistrat an der Konferenz teilnehmen. Da erwarten wir uns, dass das geballte Know-how auf fruchtbaren Boden fällt und die Überlegungen in die Planungen und Verkehrskonzepte der nächsten Jahre einfließen und eine nachhaltige Wirkung haben. Es ist oft schon was anderes, wenn man in diesem Bereich arbeitet und dann sieht, »Ah, das gibt es dort schon, vielleicht könnte man das auch in Wien ausprobieren«. Das hat sich zum Beispiel in München gut gezeigt. Die Stadt war vor einigen Jahren Velo-city und dort war dieser Effekt merklich. Es ist ein Rückenwind entstanden für das Radfahren und München hält bei 17 Prozent Radverkehrsanteil, hat sich also deutlich steigern können.
… was ja für eine Stadt dieser Größe durchaus bemerkenswert ist. Graz, um eine österreichische Stadt zu nennen, hat bekanntlich auch einen sehr hohen Radverkehrsanteil, aber mit einer Stadt dieser Größe ist Wien wohl kaum vergleichbar.
Man darf bei solchen Vergleichen nicht vergessen, dass auch Städte wie Kopenhagen und Amsterdam deutlich kleiner sind. Kopenhagen hat, glaub ich, 600.000 Einwohner, auch Amsterdam liegt unter der Einwohnerzahl von Wien. Für die Größe unserer Stadt – und da möchte ich dazu sagen, dass in Kopenhagen oder Amsterdam der öffentliche Verkehr schlechter ausgebaut ist, in Kopenhagen gibt es erst seit kurzem eine U-Bahn und in Amsterdam gar nicht –, für diese Voraussetzungen ist der Radverkehrsanteil in Wien nicht so schlecht, aber natürlich noch steigerbar.
Deutlich steigerbar.
Ich würde einmal sagen, wir haben eine ganz gute Basis, die deutlich steigerbar ist. Genau. (lacht)
Die größten Nörgler tun die Velo-city als kurze, internationale Konferenz ab, der Wien natürlich freudig Bühne bietet. Und dafür würde jetzt viel aufgeholt – alles was noch aufzuholen geht in der kurzen Zeit. Was kann man sich für die Zeit nach dem wichtigen Impuls erwarten? Wird es leiser werden um den Radverkehr oder darf man die Velo-city als Startschuss für viele neue Fahrrad-Projekte verstehen? Gibt es da schon etwas Konkretes, das du auspacken darfst?
Natürlich erwarte ich mir, dass es weitergeht, es sprechen auch alle Zeichen der Zeit dafür. Wir arbeiten bereits an Konzepten für die nächsten Jahre. Gerade wird eine Studie zum Thema »Langstrecken-Verbindungen mit dem Fahrrad« durchgeführt. Es wird 2015 beim Hauptbahnhof eine große Radgarage entstehen, beim Westbahnhof wird ebenfalls eine verbesserte Radabstellmöglichkeit errichtet werden. Es sind einige Sachen in der Pipeline und es ist keineswegs so, dass das mit der Velo-city im Juni enden wird in Wien. Ich werde – das ist auch meine Aufgabe als Radverkehrs-Beauftragter – alle strategischen und konzeptionellen mittel- und langfristigen Projekte weiter verfolgen und im Auge behalten.
Wiener Radwoche
Die Wiener Radwoche bietet von 8. bis 16. Juni 2013 ein vielfältiges Programm – von der Fahrrad-Modenschau am Karlsplatz bis zu einem Fahrradklingel-Konzert. Im Museum für Angewandte Kunst wird mit »Tour du Monde« eine Ausstellung der Embacher-Fahrradsammlung zu sehen sein, der Wiener Radchor wird erstmalig fahren und auf der Kaiserwiese im Prater gibt es Kaiserschmarrn und Musikprogramm. Die Rad-Arena am Rathausplatz bietet außerdem ein Fahrradservice, einen E-Bike-Testparcour, Fahrradwäsche und Kinder-Radkurse.
Velo-City 2013
BIORAMA stellt begleitend zur Velo-city, die von 11. bis 14. Juni 2013 Radexperten und Radbegeisterte aus aller Welt in Wien versammelt hat, das Konzept »Rad-Stadt« auf den Prüfstand. In einer Artikelserie diskutieren wir Entwicklungen auf dem Sektor Radverkehr und verschiedenste Aspekte der Fahrradkultur mit Experten und Aktivisten.
Das Tragerl fürs Rad
Tragerl fürs Rad
Bild: Christian Steiner & Beatrice Stude
Im Rahmen der Cycling Affairs, dem Wettbewerb der Wiener Kreativagentur departure, wurden vielversprechende, visionäre Projekte rund ums Fahrradfahren kreiert und präsentiert. Besonders praktisch und anwendungsorientiert ist das “Tragerl fürs Rad”, für das Christian Steiner und Beatrice Stude den Partnerpreis von Spar erhalten haben. Entstanden ist das Tragerl durch die kreativen Ideen aktiver Radfahrer und Designer, die Umsetzung soll durch Spar Österreich passieren.
Christian Steiner ist seit über 20 Jahren aktiver Radfahrer. Als sich der Industrie-Designer und Beatrice Stude bei der Gründung der Radlobby Österreich kennen lernten, wurde der Grundstein für ein Projekt gelegt, das bald den Einkaufsalltag aller Radfahrer verändern könnte. Statt Plastiksackerln auf der Lenkstange nach Hause zu balancieren oder spontane Einkäufe in den Rucksack quetschen zu müssen kann man zukünftig auf eine elegante Transportvariante im Tragerl zurückgreifen.
Es handelt sich dabei um eine Art Faltschachtel für den Rad-Gepäcksträger aus Karton. Der Name leitet sich vom 6er Bier - Tragerl ab – auch das Tragerl fürs Rad soll eine einfache und umweltfreundliche Tragevorrichtung kleinerer Einkaufsmengen sein. Man kann es leicht in der Hand tragen, auf einer Stange abhängen, einfach am Gepäcksträger montieren und bedruckt ist es ein guter Werbeträger. Wasserabweisend wird es durch die – ökologisch unbedenkliche – Wachsbeschichtung. Diese hält auch leichten Regen aus und macht das Tragerl wiederverwendbar.
Die zukünftige Entwicklung des Projekts hängt jetzt stark vom Preissponsor Spar ab, dazu gibt es bald weitere Gespräche. Franz Hölzl, Leiter der Nachhaltigkeitsabteilung bei Spar, ist der Meinung, es gäbe noch starken Nachholbedarf was die Attraktivität des Einkaufens mit dem Fahrrad angeht. Spar fördert seit mehreren Jahren Initiativen in diesem Bereich. Der Partnerpreis für Cycling Affairs soll ebenfalls dazu beitragen, das Rad als Verkehrsmittel für den Alltag zu fördern. Der Einkauf frischer Lebensmittel mit dem Rad wird durch das Tragerl bequemer und einfacher, so Hölzl. Genaueres über die Einführung ist leider noch nicht bekannt, denn das Produkt befindet sich erst in der Prüfungsphase.
Leitfaden für allein reisende Frauen
Lass dir von niemandem einreden, dass Frauen nicht alleine reisen sollten. Du kannst fahren, wohin du willst, solange du gut vorbereitet bist und auf dich aufpasst. Man sollte sich keine Illusionen über die Gefahren machen. Sicherheit ist definitiv ein größeres Thema bei allein reisenden Frauen als bei Männern. Dazu und zu anderen Themen ein paar Tipps aus der Erfahrung einer leidenschaftlich allein reisenden Frau.
© flickr.com / mckaysavage – CC BY 2.0
Wir kennen ihn alle, den dreckig grinsenden Typen, der in einem überfüllten Bus neben uns steht und in jeder Kurve unsere Brüste mit den Haltegriffen verwechselt. Eine Kollegin erzählte mir, sie habe in Sri Lanka eine Frau beobachtet, die einfach ihren Flip Flop auszog und den Mann laut schimpfend damit zu ohrfeigen begann. Die Lightversion davon ist, ihn so laut du kannst aufzufordern, gefälligst Abstand zu halten. Das erregt die Aufmerksamkeit anderer Fahrgäste und blamiert ihn. Grundsätzlich empfiehlt es sich aber, gleich beim Einsteigen die Nähe einer Familie oder einer anderen Frau zu suchen. Selbst zwielichtige Typen haben oft Skrupel, jemanden vor den Augen einer Mutter und ihren Kindern zu begrapschen.
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Es gibt Dinge, die will man nicht in einer Apotheke auf der anderen Seite der Welt pantomimisch darstellen müssen. Kümmere dich daher am besten vor der Abreise darum, dass du genug Binden oder Tampons bei dir hast. Sollten dir diese abhanden kommen, frag einheimische Frauen um Rat. Wer glaubt, dass so etwas in jedem Land gleich aussieht, kennt nur die halbe Wahrheit. Außerdem sind die Autobahnklos an den Enden der Welt oft nicht die saubersten. Kauf also Hygieneartikel, die man schnell und leicht wechseln kann.
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Haare. Du brauchst kein Glätteisen und keinen Lockenstab. Es ist Unsinn so etwas auf Reisen mitzuschleppen. Denk lieber daran, dass es in vielen Ländern kaum Wasserdruck in der Dusche gibt und dass billigere Hotels oft kein heißes Wasser haben, auch wenn sie das behaupten. Wer also sehr lange oder dichte Haare hat, sollte erwägen vor der Safari zum Friseur zu gehen.
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Lass dich nicht abzocken! Es ist okay dem Taxifahrer ein- oder zweimal den Touristenaufschlag durchgehen zu lassen, wenn man um 3 Uhr früh todmüde irgendwo ankommt. Auf die Dauer wird es dich aber zu ärgern beginnen und kann dir die Reise verderben. Vor einiger Zeit erlebte ich den inspirierenden Auftritt einer französischen Fotografin, die den Besitzer eines Autoverleihs mitten in Afrika partout nicht bezahlen wollte, weil er sich nicht an die Abmachung gehalten hatte, den Truck vollzutanken. Sie verlangte genauso behandelt zu werden, wie zu Hause in Frankreich. Und der Autoverleiher gab schließlich nach.
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Hab immer eine Kopie deiner Papiere, Flugtickets und eine Liste mit den Notfallnummern deiner Kreditkarten dabei und verwahr sie separat von den Originalen. Auf langen Reisen kann es von Vorteil sein, auf den Gebrauch einer Geldbörse zu verzichten. Taschendiebe können lederne Geldbörsen viel schneller ertasten, als zum Beispiel einen kleinen Stoffbeutel in dem du Bargeld aufbewahrst.
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Hab keine Angst vor nichts und niemandem. Grundsätzlich sind die meisten Menschen, egal in welchem Land keine Sittenstrolche und Verbrecher. Wenn dir aber trotzdem mulmig wird, vertrau dir selbst. Es gibt einen Grund dafür, dass der Mensch in großer Höhe nervös wird, sich inmitten von riesigen Menschenmassen unwohl fühlt und nicht gerne nachts durch fremde Straßen geht. Wenn dir dein Gefühl sagt, dass du irgendwo besser nicht hineingehen solltest, dann mach das auch nicht. Kommt dir eine Gruppe Menschen auf einmal seltsam vor, bleib nicht mit ihr allein. Wenn ein Gespräch auf unerwartet hitzig wird oder eine bedrohliche Richtung einschlägt, so hilft es oft, wie zufällig von seiner Familie zu sprechen. Das ist ein banaler Tipp, der mir aber schon oft geholfen hat. Geschichten von jüngeren Geschwistern oder von der Lieblingsspeise der Mutter erinnert das Gegenüber daran, dass man jemandes Tochter ist. Es stellt Nähe her, wo Fremde ist.
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Flirten macht Spaß, speziell im Wissen, dass man die Stadt am nächsten Tag verlässt und sich nicht mit etwaigen Konsequenzen auseinandersetzen muss. Flirten kann helfen einen Sitz in einem ausgebuchten Bus zu bekommen oder Essen nach Küchenschluss. Auf Urlaubsflirts sollte man keinesfalls verzichten, aber es ist dabei Vorsicht geboten. Verrate nicht gleich, in welchem Hotel du übernachtest. Triff deine neue Eroberung nicht allein und wenn doch, dann irgendwo, wo andere Leute sind. Spiel nicht Katz und Maus mit jemandem dessen Temperament du nicht kennst, speziell wenn Alkohol im Spiel ist. Apropos Alkohol, mit Leuten, denen man nicht vertraut sollte man nie zu viel trinken. Es ist wichtig die Kontrolle zu behalten und zu jedem Zeitpunkt in der Lage zu sein eine gefährliche Situation zu erkennen.
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Sich im Ausland zu verlieben geht bekanntlich viel leichter als zu Hause. Das liegt daran, dass wir im Urlaub glauben, andere Menschen zu sein, freier, abenteuerlustiger und all der andere Unsinn. Wenn du morgen aufwachst, bist du aber immer noch du, daher kann es nicht schaden die eigenen Motive und die des Mannes einem Realitätscheck zu unterziehen bevor man den Umzug plant. Es mag hart klingen, aber es ist ein Fakt, dass Männer in sehr armen Ländern eine Europäerin oft als goldenes Ticket aus ihrem Dilemma ansehen. Das ist legitim, aber nichts für dich. Vor unerwünschten Zuneigungsbekundungen kann man sich gut mit einem Ring schützen, den man als Ehering ausgibt.
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Davon abgesehen, lüge nicht. Es gibt Situationen, in denen es einfacher scheint zu behaupten, dass man gläubiger Christ ist, den Armen immer genug spendet, seine Jungfräulichkeit noch hat, das eine oder andere Volk verabscheut oder das man gerne gekochte Innereien isst. Menschen überall auf der Welt verfügen unabhängig von Alter oder Wohlstand über die Gabe eine schlechte Lüge zu enttarnen. Wenn möglich, sollte man jedem so viel Respekt entgegenbringen ihm die Wahrheit zu sagen. Belogen zu werden macht Menschen mit Recht wütend und das kann auch gefährlich werden.
© flickr.com / Ahron de Leeuw – CC BY 2.0
Mach keine falschen Versprechungen. Du hast die Leute aus der Hütte gegenüber kennengelernt und sie waren auch ganz nett für ein paar Tage. Sie wollen in Kontakt bleiben, fragen, ob man ihnen Arbeit vermitteln kann, oder wollen wissen, wie schwer bewacht die Grenzen der EU sind. Freunde in anderen Ländern zu haben kann ein wertvolles Geschenk sein. Man sollte jedoch auf der Hut sein, was davon ehrlich gemeint ist und keine falschen Hoffnungen wecken. Versprich niemandem, dass du dich melden wirst, wenn du das nicht vorhast.
Lust auf’s Reisen bekommen? Teresa Reiter hat ein Interview mit zwei Mitgliedern des Frauenreisenetzwerks Women Welcome Women World Wide geführt: www.biorama.at/women-welcome-women-world-wide








