Des Einen Leid, des Anderen Freud.

"Man kauft wenn das Blut in den Strassen fliesst.", pflegte der Börsenguru André Kostolany zu sagen. Traurig aber wahr. So hat jede Katastrophe ihre Verlierer und aber auch ihre Gewinner.

André Kostolany meinte in einer Talkshow einmal:" Wer viel Geld hat, kann spekulieren; wer wenig Geld hat, darf nicht spekulieren; wer kein Geld hat, muss spekulieren.." Er war kein Befürworter der klassischen Volk- und Betriebswirtschaftslehre.Vielmehr plädierte er an die Phantasie der Anleger. Man solle sich die positive Entwicklung einer Aktie auch vorstellen können und nicht blindlings Wertpapiere kaufen.


Sehr schwierig in einer Zeit, in der der kleine Anleger mit Fonds überschwemmt wird, die er von übereifrigen Investmentbankern aufgeschwatzt bekommt. Kostolany war immer der Auffassung, dass die Großbanken verstaatlicht werden sollten. "Derzeit ist es so, dass die Banken vor allem im Interesse ihrer Aktionäre handeln und aus Eigennutz die Zinsen diktieren. Aber als Grossbank sollte man auch die volkswirtschaftlichen Interessen eines Landes ins Kalkül einbeziehen. Schon Général de Gaulle, dem man nicht unterstellen konnte dem linken Lager anzugehören, wusste, warum er die grossen Banken verstaatlichte: Weil sie die Zinsen diktieren. Darum bin ich für die Verstaatlichung von Grossbanken. Heute geht ja alles in Richtung Privatisierung, das ist ja grundsätzlich nicht schlecht, aber in ihrem Wahn wollen sie sogar nützliche Institutionen wie den Luftverkehr privatisieren, hier wird sich eine wahrhaft mörderische Konkurrenz entwickeln."

Auf die Frage, ob die hohe Arbeitslosigkeit mit den boomenden Börsen zusammenhängt meinte er nur: "Das ist kompletter Unsinn. Die hohe Arbeitslosigkeit wird durch eine deflationistische Wirtschaftspolitik verursacht. Die Stabilitätspolitik Deutschlands und Österreichs bringt die Wirtschaft um. Ohne Geld kann man doch nicht die Wirtschaft ankurbeln. Dass Arbeitsplätze wie bei Renault in andere Länder verlagert werden, kann man hingegen nicht verhindern. Das Problem der Arbeitslosigkeit können sie aber mit Deflationspolitik nicht heilen. Unmöglich! Die Deutschen sind vorläufig noch Deflationisten, aber, das werden sie auch nicht ewig bleiben können."

Mit André Kostolany verstarb am 14. September 1999 in Paris nicht nur ein Weltbürger und Börsenguru mit Humor sondern auch ein Mann mit Weitblick und Wirtschaftsinn, den viele der heute an der Macht stehenden Politiker und Wirtschaftsbosse missen lassen.

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