Der Klima-Lügendetektor

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Der Klima Watchblog
Aktualisiert: vor 14 Stunden 28 Minuten

RWE: Den Bock zum Forstmann machen

Mi, 2018-06-06 00:18

Nach zehn Jahren journalistischer Detektivarbeit sucht der Klima-Lügendetektor derzeit die „dreisteste Lüge“ aus diesen zehn Jahren. Aktuell steht RWE mit seiner Warnung vor dem Stromanbieterwechsel auf Platz 1. Zur Prüfung eingereicht hatte uns diese Anzeige im Oktober 2008 Udo H. aus Düren.

Udo H. ist genauso ein Quell unserer Arbeit wie RWE. Diesmal nämlich hat uns Udo H. folgende Anzeige aus den Dürener Nachrichten zugeschickt:

RWE fördert den Lebensraum?

An dieser Stelle wäre jetzt angebracht ein kräftiges

Aber RWE meint das wirklich ernst!

Im Kleingedruckten heißt es:

Ach, das sind keine Wegbaggerer, sondern Forstleute bei RWE?!

Hier die Fakten:

Ursprünglich war der „Hambacher Forst“ 12.000 Hektar groß, ein Kleinod für Forstleute und Naturliebhaber mit 142 geschützten Arten. Der heilige Arnold von Arnoldsweiler soll einer Legende nach den Forst im 8. Jahrhundert umritten und damit eine Wette gegen Kaiser Karl dem Großen gewonnen haben, weshalb ihm der Kaiser den Wald überlies, Arnold von Arnoldsweiler den Wald aber nicht selbst behielt, sondern den umliegenden Gemeinden schenkte, in denen bis dato große Armut herrschte.

Aber wen interessiert schon so eine Geschichte? 1978 begannen die „Forstleute“ von RWE, den Wald zu roden, um den klimaschädlichsten aller Energielieferanten abzubaggern, die Braunkohle. Trotz erklärtem Klimaschutz soll im Herbst der ökologisch wertvollste Teil des Waldes dran glauben, die Bezirksregierung Arnsberg hat das von RWE beantragte Kettensägenmasaker bereits genehmigt.

Dagegen gibt es seit Jahren massiven Widerstand: Baumbesetzer bieten seit 2012 den „Forstleuten“ von RWE die Stirn, für den Herbst werden massive Auseinandersetzungen befürchtet. Zwischen denen, die den Forst erhalten wollen und denen, die sich bezeichnen als

Wir wissen nicht, wie der Konflikt ausgehen wird. Stand heute immerhin können wir feststellen, dass die Werbeabteilung von RWE den Bock zum Gärtner gemacht hat.

Danke an Udo H. aus Düren für den Hinweis

Über die dreisteste Lüge aus den vergangenen Zehn Jahren können Sie noch hier abstimmen!

 

 

 

Kategorien: Klima

Zehn Jahre Lügen (6): Hier sind die dreistesten

Do, 2018-05-31 02:28

Überraschung!

Wir wollten von Ihnen wissen: Welche der dreisten Lügen, die uns die Fossilkonzerne, die Autohersteller, die Lebensmittel- oder „Politikberatungs“-Industrie in den vergangenen zehn Jahren auftischten, ist die dreisteste von allen? (Seit dem Januar 2008 bearbeitet der Klima-Lügendetektor Anfragen seiner Leserschaft, aber auch Verdachtsfälle, die den Macherinnen und Machern dieses Blogs zwischen die Finger kommen). Über unser Finale sind wir selbst ein bisschen überrascht.

Von unseren Leserinnen und Lesern wurden eben nicht zur Wahl gestellt:

Sie haben anders entschieden und damit ein spannendes Finale kreiert!

 

Zur finalen Abstimmung stehen nunmehr als dreisteste Grünfärber die Sieger der vergangenen fünf RundenRWE, die Linkspartei, ein Presseerzeugnis namens Bild-Zeitung, der Verband Deutscher Seilbahnen und Schlepplifte und eben jene AfD. Unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern verlosen wir am Ende fünf Exemplare des (nicht mehr lieferbaren) Buches „Grün, grün, grün ist alles, was wir kaufen“ von Toralf Staud, der gemeinsam mit Nick Reimer dieses Blog vor zehn Jahren ins Leben rief.

Zur Abstimmung steht allerdings auch die Zukunft dieses Blogs: Ohne Ihre Hinweise, ohne Ihre finanzielle Unterstützung können wir die Grünfärber auch künftig nicht entlarven. Deshalb bitten wir Sie, uns zu abonnieren!  Vertrauen Sie mit Ihrem Geld unserer kleinen Redaktion einen Arbeitsauftrag an. Leider ist der Bach, der unser Pflänzchen erhält, zuletzt bedrohlich ausgetrocknet.

Wäre doch schade, wenn wir 2023 nicht fragen könnten: Wer trieb es in den letzten fünf Jahren am dreistesten?

Note: There is a poll embedded within this post, please visit the site to participate in this post's poll.

Kategorien: Klima

Altana: Den Klimaschutz (geschickt) verpacken

Do, 2018-05-24 18:03

Die Altana AG ist ein Chemiekonzern mit Sitz im ziemlich beschaulichen Wesel, gelegen am unteren Niederrhein in Nordrhein-Westfalen. Der Konzern hat nach eigenen Angaben weltweit mehr als 6.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und macht gut zwei Milliarden Euro Jahresumsatz. Die Altana AG stellt unter anderem Farben, Lacke und Pigmente her.

Offenbar ist die Firma der Meinung, man kenne sie zu wenig. Jedenfalls erschien im Wirtschaftsteil der Süddeutschen Zeitung diese viertelseitige Annonce:

Wow! „Lackentwickler“ UND „Klimaschützer“!!

Das Motiv ist Teil einer drei Jahre alten Imagekampagne, in der Altana sich und seine Angestellten zum Beispiel als „Optimierer“ UND „Querdenker“ präsentierte. Oder auch als „Forscher“ UND „Verpackungskünstler“. Als „Global Player“ UND „Familienunternehmer“.

Jetzt also ist der Lackentwickler Altana „Klimaschützer“. Die Argumentation dafür, warum die Firma sich den hübschen Titel anheftet, lautet:

Kurzgefasst: Wir stellen Dinge her, die unseren Kunden beim Energie- und Ressourcensparen helfen.

Dumm nur, dass es den Rebound-Effekt gibt: Weil Endkunden (also Leute wie Sie und wir) diese tollen „immer kleineren und leistungsfähigeren Geräte“ in vielen Fällen schlicht immer mehr und immer öfter nutzen, wird der Einspareffekt von Energie und Material durch die Praxis häufig wieder aufgefressen – was dem Klima wenig oder gar nichts nützt.

Dumm auch, das Altana aktenkundig geworden ist beim Kampf gegen die Energiewende, also im Kampf gegen den praktizierten Klimaschutz bei der Stromversorgung. Vor viereinhalb Jahren nämlich gehörte der Milliarden-Konzern zu den Unterzeichnern eines „Memorandums des Chemie-Mittelstandes“. Unter dem Logo des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) wurde da in apokalyptischen Tönen gegen die Erneuerbare-Energien-Umlage (EEG-Umlage) agitiert:

Besonders schräg an diesem „Memorandum“ ist, dass die Chemieindustrie als energieintensive Branche von der EEG-Umlage weitgehend befreit ist. Das Papier vom September 2013 gipfelte in der Forderung:

Dumm auch, dass unter dem Druck dieser und anderer Lobbyaktivitäten die Große Koalition in der vergangenen Legislaturperiode die EEG-Förderung so zurückgestutzt hat, dass der Ausbau der Photovoltaik drastisch eingebrochen ist und zum Beispiel das regierungsamtliche Ziel von jährlich 2.500 Megawatt Neuanlagen schon seit Jahren nicht einmal mehr annähernd erreicht wird. Was letztlich dazu beitrug, dass die deutschen Klimaziele so krass verfehlt werden.

Deshalb: Auf uns wirkt Altana weniger wie ein echter Klimaschützer, sondern eher wie ein geschickter (Selbst-)Verpackungskünstler.

PS: Es sind ausschließlich unsere Leserinnen und Leser, die seit Oktober 2011 die Arbeit des Klima-Lügendetektors ermöglichen. Wenn Sie wollen, dass unser Team weiter dranbleibt an Halbwahrheiten und Lügen rund um den Klimawandel in Politik, Wirtschaft und Medien, dann unterstützen Sie unsere Arbeit bitte HIER.

Kategorien: Klima

Bild: Nicht rechnen können

Di, 2018-05-15 16:43

Huch, was ist denn nun passiert?

Die Deutschen wollen zurück zum Atomstrom?

Titelt zumindest die Bild.

Es geht um eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Verbraucherportals Verivox. Ergebnis: „Obwohl den meisten Stromkunden (90 Prozent) ein guter Kundenservice wichtig oder sehr wichtig ist, würde jeder Zweite (51 Prozent) hier Abstriche in Kauf nehmen, wenn dadurch der Preis sinkt.“

Und dann schreibt die Bild:

Donnerwetter: Jeder Fünfte würde an der Atomkraft festhalten, wenn dadurch der Strompreis sinkt!

Im Umkehrschluss heißt das: Vier von fünf Deutschen wollen nicht an der Atomkraft festhalten, egal wie hoch der Preis ist. Das sind 80 Prozent!

Korrekt hätte die Bild also so titeln müssen:

Vielen Dank an Anke P. für den Hinweis!

Kategorien: Klima

10 Jahre Lügendetektor (5): Wir danken

Di, 2018-04-17 20:04

Wir sind noch diesen einen Schritt vom Finale entfernt: Gesucht wird die dreisteste Lüge, die in den vergangenen zehn Jahren auf diesem Blog notiert wurde. Bislang standen zur Auswahl Kampagnen von

  • VW, RWE, der Deutschen Bahn, dem Informationszentrum Klima und der AutoBild aus den Jahren 2008/09
  • die Linkspartei, TetraPak, die schwarz-gelbe Regierung, Eon und der Fokus aus den Jahren 2010/11
  • das Kanzleramt, die Bild-Zeitung, Vattenfall, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und Rewe aus den Jahren 2012/13
  • sowie EnBW, Schnee, der Gewerkschafter Frank Bsirske, die Bundesregierung und die Stahlwirtschaft in den Jahren 2014/15

Fehlt zum bunten Strauß der Dreistigkeiten also noch die Auswahl aus den Jahren 2016 und 2017, die sie unten startklar finden! Bitte beachten Sie, dass ein großes „Augenzwinkern“ bei dieser „Hitparade der dreistesten Lügen“ dabei ist: Im Kampf um die richtige, also die ökologischste, sozial gerechteste, kostengünstigste Energiewende ist natürlich jede Lüge eine Lüge zu viel!

Fehlt vor der letzten Staffel unserer Jubiläumsparade eigentlich nur noch unser Dank an Sie, die Leserinnen und Leser! Als uns im Sommer 2011 mit dem Greenpeace-Magazin der publizistische Partner abhanden gekommen war, stand dieser Detektor vor dem Aus. Damit wollten sich einige Leser damals nicht abfinden, es entstand eine Art Abo-Kampagne, die seitdem unsere Arbeit finanziert.

Ohne Ihre Unterstützung gebe es keine zehnjährige Jubiläumsrückschau. Ohne Ihre Hinweise blieben viele Lügen der Energiewendegegner unentdeckt. Ohne Ihren finanziellen Beitrag kämen die Grünfärber ungeschoren davon.

Deshalb bitten wir Sie, uns zu abonnieren!  Vertrauen Sie unserer kleinen Redaktion mit Ihrem Geld einen Arbeitsauftrag an. Leider ist der Bach, der unser Pflänzchen erhält, zuletzt wieder etwas ausgetrocknet. Und stimmen Sie mit ab, welches Stück unserer Rückschau die dreisteste unter den dreisten Lügen enthält.

Unter allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern verlosen wir am Ende fünf Exemplare des (nicht mehr lieferbaren) Buches „Grün, grün, grün ist alles was wir kaufen“ von Toralf Staud, der gemeinsam mit Nick Reimer dieses Blog vor zehn Jahren ins Leben rief: Der erste Beitrag erschien am 2. Januar 2008 unter der Überschrift „Die deutschen AKW-Betreiber: Beste Grünfärber Europas

Heute die Jahre 2016/17:

Note: There is a poll embedded within this post, please visit the site to participate in this post's poll.

Kategorien: Klima