Der Klima-Lügendetektor

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Der Klima Watchblog
Aktualisiert: vor 3 Stunden 15 Minuten

RWE: Ein neuer Versuch der Grünfärberei

Di, 2019-10-01 23:02

Kein Unternehmen hat uns seit unserem Start 2008 so oft beschäftigt wie der Kohleriese RWE. Wenn Sie hier klicken, sehen Sie alle Texte mit dem Schlagwort „RWE“ – und Sie können dann seitenlang durchs Archiv blättern. (Was Sie dort dann lesen können, ist teilweise wirklich bizarr, versprochen!)

Heute ist uns in der Süddeutschen Zeitung wieder eine Annonce des Energieversorgers aufgefallen:

… steht da in riesigen Lettern. Und weiter:

Ach, nee, stopp! Da war uns jetzt beim Hochladen der Ausrisse die Hand auf der Maus ausgerutscht – diese beiden stammten aus einer RWE-Annonce in der Süddeutschen vom April 2008. Damals versprach RWE, künftig voll auf Klimaschutz zu setzen. Voll ganz doll, echt. Wurde irgendwie nichts draus …

Nun hat RWE erneut eine Werbeoffensive gestartet. Von der Edel-Agentur Scholz & Friends ließ man sich (wieder mal) einen neuen Markenauftritt designen, Anlass ist die Übernahme der Erneuerbaren-Sparte von Ex-Konkurrent Eon. So also sah heute tatsächlich die RWE-Annonce in der Süddeutschen aus:

Man investiere Milliarden und setze nun wirklich voll auf Erneuerbare, lautet die Botschaft. Echt, ganz ehrlich! „Klimaneutral bis 2040″ sei das Ziel der „neuen RWE“.

Wie verlogen auch diese Kampagne ist und wie schlapp das 2040-Ziel, das brauchen wir hier gar nicht aufzuschreiben – das haben heute zwei Kollegen von taz und FAZ in seltener Einhelligkeit getan. Wir zitieren im Folgenden einige Passagen aus den Texten von Ingo Arzt und Helmut Bünder. Sie können sich ja den Spaß machen und raten, welche Zitate aus dem links-alternativen und welche aus dem konservativ-wirtschaftsfreundlichen Blatt stammen:

Heuchlerische Pläne“ +++ „Peinliche Öko-Propaganda“ +++ „RWE feiert sich dafür, dass man jetzt auf Ökoenergien macht. Dabei ist der Konzern viel zu spät dran und zerstört weiterhin Dörfer für die Kohle“ +++ „Durch den selbst ausgerufenen Aufstieg in die Ökoliga wird zunächst auch kein neues Windrad und keine neue Solaranlage aufgestellt – RWE übernimmt nur Vorhandenes und erzeugt weiterhin den meisten Strom aus Kohle. Außerdem kündigt [RWE-Chef] Schmitz zwar 1,5 Milliarden Euro Investitionen in Ökoenergien im Jahr an, allerdings kaum in Deutschland.“ +++ „Der Versorger tut nur das, was die Politik ihm vorschreibt, keinen Deut mehr. Und deshalb wird RWE auch fleißig weiter Kohle verbrennen, solange man den Konzern lässt: also exakt bis 2038, dem bisher angepeilten Endjahr für den Kohleausstieg in Deutschland. Da gehört schon einiges an Chuzpe dazu, den ihm aufgezwungenen Wandel zur neuen grünen Strategie zu erklären.“ +++ „Ein großes Opfer ist der Kohleausstieg für RWE ohnehin nicht: In Deutschland kassiert er dafür Milliardenentschädigungen, in den Niederlanden 2,9 Milliarden Euro Förderung, um Kohlemeiler auf Biomasse umzurüsten. Die groß angekündigte Umstellung ist eine Anpassung an politische, gesellschaftliche und ökonomische Realitäten. Der Wandel wurde über Jahre von Umweltverbänden, Politikern, Wissenschaftlern und all denen, die für die Energiewende auf die Straße gingen, erkämpft. Gegen den Widerstand von RWE-Managern, die sich jetzt feiern lassen.“ +++ „Zum Klimawandel trägt der Essener Energiekonzern weiter erheblich bei. … Die peinliche Öko-Propaganda sollten sich die RWE-Strategen besser sparen.“

Besser hätten wir’s auch nicht formulieren können.

Kategorien: Klima

BMW: Ein neues Ziel vor Augen haben

Di, 2019-09-17 20:25

Bekanntlich ist Elektromobilität das, was die Politik ersonnen hat, um Klimaschutz in den Verkehrsbereich zu bringen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) will Steuergeld einsetzen, um E-Autos billiger zu machen – obwohl es schon jetzt mehr als 4.000 € pro Neukauf eines E-Mobils vom Staat gibt. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will mit Steuergeld ein „Eine-Million-Ladesäulenprogramm“ auflegen – obwohl es zum Jahresanfang erst 83.200 Stromtanker auf deutschen Straßen gab.

Eine Million Ladesäulen für demnächst 100.000 E-Autos: Das will nicht einmal die Stromlobby. Die erklärte zu Scholzens Plänen:

Aber, hey: Warum denn so kleinlich! Diesmal soll ja jetzt wirklich die Million Elektro-Autos bis 2021 auf die Straße kommen, die Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schon vor Jahren bis 2020 versprach. Denn diesmal ist es ja nicht die Kanzlerin, die das neue Ziel ausgibt. Diesmal ist es BMW!

Und BMW erklärt sogleich auch, wie das gelingen soll:

Wie bitte? BMW schickt sein Elektroauto „in Rente“?

Berühmt wurde der i3, weil er erstens als erstes E-Mobil von BMW im neuen Werk in Leipzig in Serie ging. Und weil zweitens Ex-Bundesaußenminister Joschka Fischer 2013 eines der ersten, neuen i3-Autos aus dem Werk abholte, und sich dabei filmen ließ: „Wunderschönes Fahrgefühl! Also – isch bin beeindruckt!“

Fischers Motto damals: Was soll ich mit nem 5er BMW in Berlin (wo er wohnt), wenn ich auch einen i3 (Leergewicht je nach Bauart 1,2 bis 1,4 Tonnen) haben kann.

Geholfen hat solch ein verkappter Werbeclip dem Elektromobil allerdings wenig. 500 verkaufte Autos im ersten Jahr, rund 2.250 im zweiten und im dritten, bis Ende 2018 kamen in Deutschland nicht viel mehr als 17.000 Exemplare auf die Straße.

BMW erklärt nun:

Das ist richtig: Elektromobilität könnte einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, wenn die E-Mobile klimafreundlichen Strom tanken würden und nicht den heutigen Mix aus der Steckdose. Und: Ja, BMW versichert, auch nach dem Ende des i3 weiterhin Elektromodelle anbieten zu wollen.

Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung zeigte BMW aber gerade sein neues Brennstoffzellenauto „i Hydrogen Next“ – und das soll demnächst in Serie gehen.

Deshalb wagt der Klima-Lügendetektor an dieser Stelle ausnahmsweise mal eine Prognose: Mit Stromladesäulen kann man Brennstoffzellenautos leider nicht betanken!

PS: Seit Jahren ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen Euros, um die Recherche auch 2019 unabhängig zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER

Kategorien: Klima

Dr. Angela Merkel: Die Vergangenheit vergessen

Mi, 2019-09-11 23:21

„Wir haben unsere Klimaziele 2010 eingehalten.“

Im Bundestag stand heute die Debatte zum Bundeshaushalt 2020 an. Und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagt bei Minute 26:36 dieser Übertragung der Debatte den folgenden folgenschweren Satz:

„Wir haben unsere Klimaziele 2010 eingehalten.“

Echt jetzt?

Wir haben mal kurz in der Vergangenheit geblättert und folgende Aussage von Frau Bundesumweltministerin Dr. Angela Merkel (CDU) aus dem Jahr 1997 gefunden:

Minus 25 Prozent bis 2005?

Noch im Jahr 2010 lag die deutsche Klimaschuld bei 942.542.000 Tonnen – gerade einmal 24,7 Prozent unter dem Niveau von 1990. Ziel also NICHT erreicht!

Aber es galt 2010 ja ohnehin schon ein neues Klimaziel: minus 40 Prozent bis 2020. Im „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020″ heißt es:

Im Wahlkampf 2017 erklärte Kanzlerin Angela Merkel: „Wir werden Wege finden, wie wir bis 2020 unser 40-Prozent-Ziel einhalten. Das verspreche ich Ihnen.“

Leeeeider wird das ja nun nix mit dem Erreichen des Klimaziels 2020, wie die Kanzlerin auf ihrer Sommerpressekonferenz eingestehen musste. Aber Angela Merkel verspricht uns in der aktuellen Bundestagsdebatte, dass das Klimaziel für 2030 diesmal

echt jetzt,
wirklich,
ganz bestimmt,
unbedingt wahr,
nunmehr aber fest ganz doll versprochen

von der Bundesregierung eingehalten werden wird!

Diesmal wirklich.

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Kategorien: Klima