Bio und die Wertschätzung von Lebensmitteln

CC-by-sa ethify.org & living
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Ein Selbstversuch sowie eine Kritik an der Wertschätzung von Lebensmitteln.

– Ein Kommentar von Moritz Sonntag


Bio ist überteuert! Bio kann man sich nicht leisten! Wenn es nicht so teuer wäre, würde ich nur Bio kaufen! Auf diese und andere Argumente stösst man immer wieder bei Diskussionen über Lebensmittel. Auch wenn Bioartikel in meinem Kühlschrank keine Seltenheit sind, so ertappe ich mich immer wieder dabei zu sagen: „Das kann ich mir momentan einfach nicht leisten.“ Für 2 Wochen zumindest wollte ich ausschließlich Bioprodukte verwenden.

 

Anfänglich stellt sich die Frage, ist es überhaupt möglich nur Bioprodukte zu konsumieren? Es gibt mittlerweile Supermarktketten, in denen ausschließlich diese Waren vertreten sind. Die Angebote reichen vom Waschmittel und Putzschwamm über die Milch bis hin zum Reis. In Städten sind diese Supermärkte gut vertreten, auf dem Land sucht man sie vergebens. Doch die „normalen“ Kaufmärkte bieten mehr Bioprodukte an als man es zuerst vermutet. Selbst preislich gibt es auch hier Billig-Bioprodukte in Discounter-Supermärkten wie „Norma“. In wie fern diese, teils von sehr fernen Ländern importieren Waren, jedoch noch dem eigentlichen ökologischen Gedanken der anfänglichen Bioprodukte entsprechen, muss wohl neu diskutiert werden.

Jeder gut ausgestattete Supermarkt bietet also mittlerweile vom Brot bis zu Nudeln ein großes Sortiment an. Der tägliche Bedarf an kalten und warmen Speisen war also problemlos und ohne große logistische Herausforderungen zu beschaffen.
Problematisch wird es erst mit Luxusartikeln oder Pflegeprodukten. Für die Packung Gummibärchen, Schokolade aber auch Säfte und Tees muss dann doch der Fachmarkt angefahren werden. Um diese Produkte, sowie Zahnpasta und Waschpulver etc. mit einem Biosiegel zu bekommen, muss also mit dem Auto in die nächste Stadt gefahren werden.
Unökologisch? Ja und Nein denke ich:

Einerseits ist es natürlich das Beste, man nimmt kurze Wege in Kauf, um möglichst wenig Autokilometer für die täglichen/ wöchentlichen Besorgungen zu fahren. Andererseits lässt sich dieses Problem mit etwas mehr Planung für die nötigen Einkäufe leicht beheben. Die Transportwege vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt im Laden sind auf Seiten der Billig- wie Bioprodukte noch nicht einmal bedacht.

Man muss sich, sollte man sich für ein Leben ausschließlich mit Bio-Lebensmitteln entscheiden, bewusst machen, dass es noch weitere Hürden gibt. Die Verpflegung in der Arbeit, in der Freizeit, im Urlaub etc. muss geplant werden. Man kann (noch) nicht damit rechnen, überall und lückenlos versorgt zu werden. Doch auch hier ist etwas mehr Planung und etwas weniger Bequemlichkeit der richtige Weg.

 

Die Argumente gegen die Preise der Bioprodukte sind damit selbstverständlich noch nicht aus dem Weg geräumt, lassen aber ethisch sowie statistisch diskutieren. Ein entscheidendes Argument habe ich durch die intensivere Auseinandersetzung mit dem Thema erfahren.

„Lebensmittel verdienen mehr Wertschätzung“

Sich ausschließlich von Bio zu ernähren nimmt geringfügig mehr Zeit in Anspruch. Allerdings weiß man dadurch, dass seinem Körper natürliche und qualitativ hochwertigere Produkte zugeführt werden. Sollte es nicht das Bestreben jedes Menschen sein, diesem einen Körper nur das Beste zu gönnen?
Deutschland und Österreich sind reiche Länder. Warum liegen die Lebensmittelpreise dann gerade mal 5,8% (Österreich) bzw. 1,8% (Deutschland) über dem europäischen Durchschnitt? (Quelle: http://www.welt.de/wirtschaft/article117400745/Discountrepublik-So-guens...)


Wir geben jährlich hunderte und tausende Euros für Luxus- und Konsumgüter wie Autos, Mobiltelefone, Partys, Urlaube etc. aus. Wenn es diese Branchen schaffen, für ihre meist nicht lebensnotwendigen Produkte, eine derartige Nachfrage zu schaffen, wieso ist es nicht möglich den Lebensmitteln wieder ihren nötigen Wert zu verleihen?

Anteil von Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken an den privaten Konsumausgaben im Jahr 2012: Österreich 10%, Deutschland 11,7%
(Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/301863/umfrage/konsumausga...)

 

 

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