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Operation Condor 2.0

Der aus dem Amt geschiedene Präsident Evo Morales hält sich in einem Interview mit dem Mitbegründer des „Intercept“, Glenn Greenwald, mit Kritik am U.S. Imperium nicht zurück. Morales wurde vergangenen Monat (Anm.d.Red.: im Nov. 2019) durch einen von den USA unterstützten Coup [1] gestürzt, der dutzende Tote [2] und ein Land in Unruhe [3] hinterlassen hat. Im Weißen Haus wechselten die Köpfe, die imperiale Politik jedoch bliebe dieselbe, so Morales. Über Obama, Bush und Trump sagt er: „Ich bezweifle, dass es irgendwelche Unterschiede zwischen ihnen gibt. Vielleicht in ihrer Erscheinung, aber letzten Endes gibt es zwischen ihnen keinen Unterschied. Sie...

Das Schweigen der Medien zu den WikiLeaks-Publikationen

Die neue WikiLeaks-Veröffentlichung beinhaltet eine E-Mail des Kabinettschefs der OPCW Sebastien Braha (der Berichten zufolge [3] von den Inspektoren der Organisation so verachtet wird, dass er den Spitznamen „Voldemort“ bekam), der völlig ausrastete, als eine technische Einschätzung von Ian Henderson [4] herausfand, dass der Douma-Vorfall wahrscheinlich eine Inszenierung war. Braha wurde dabei ertappt, dass er OPCW-Mitarbeiter angewiesen hat, aus dem Sicherheitsregister der Organisation „jedwede Spuren davon aus Registratur/Speicherung/was auch immer zu beseitigen“. Die Veröffentlichung beinhaltet auch Protokolle einer Toxikologie-Sitzung [6] mit „drei Toxikologen/Klinischen Pharmakologen und einem bioanalytischen und toxikologischen Chemiker“, alle vier sind Spezialisten für Chemiewaffen-Analysen. „Bezüglich der Übereinstimmung der...

Die Diskurs-Manipulation

Sind Kritiker der Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien „islamophob“, Merkel-Gegner gar „antideutsch“ gesinnt? Natürlich nicht. Aber wer etwas gegen die israelische Besatzungspolitik im West­jordan­land sagt, kann schon mal mit dem Vorwurf konfrontiert werden, ein Antisemit zu sein. Das ist bitter, denn speziell infolge der jüngeren deutschen Geschichte hat dieser Vorwurf eine verheerende Wirkung – man steht damit quasi in der Nachfolge der Nazis. Die Definition von „Antisemitismus“ wurde in letzter Zeit sehr stark erweitert und somit ausgehöhlt. Der Vorwurf dient oft nicht mehr dazu, auf Unmenschlichkeit hinzuweisen, sondern soll Unmenschlichkeit gegen berechtigte Kritik immunisieren. Viele durchschauen das Spiel mittlerweile – aber der...

„Was jetzt auf dem Spiel steht“

Dass der Prophet in seinem Vaterlande nichts gilt, das steht bereits in der Bibel. Michail Gorbatschow könnte ein Lied davon singen. Immer noch kreidet ihm die Mehrheit der Bevölkerung Russlands den Untergang des Sowjetreichs an, obwohl Gorbatschow bis zum Schluss für einen neuen Unionsvertrag gekämpft hat und es Boris Jelzin war, der Anfang Dezember 1991 auf einer weißrussischen Datscha zusammen mit den Parteichefs der ukrainischen und der belarussischen Sowjetrepubliken der UdSSR den Garaus machte. Aber die Mehrheit der Russen rechnet anders. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und notwendigen Dingen des täglichen Bedarfs wurde unter Gorbatschow kontinuierlich schlechter, die Schlangen...

Wie schwierig die Veröffentlichung war

Die Washington Post hat eindeutige und unbestreitbare Beweise veröffentlicht, dass US-Regierungsbeamte die Öffentlichkeit über den Krieg in Afghanistan belogen haben – eine schockierende Offenbarung nur für jene, die sich bisher nicht mit der Geschichte des US-Interventionismus beschäftigt haben. [1, 2] Aber ohne jede Ironie, es ist eine sehr gute und berichtenswerte Veröffentlichung. Sich dieser schweren Aufgabe erfolgreich angenommen zu haben, die Afghanistan Papers in das öffentliche Bewusstsein zu bringen, verdient volle Anerkennung. Die unverblümten Kommentare von US-Militärs, der Afghanistan-Konflikt sei von Anfang an ein nicht zu gewinnender Konflikt gewesen, losgetreten in einer Region, die niemand verstand, ohne konkrete Kriegsziele, ohne...

6,4 Billionen Dollar, 3,4 Mio. Tote

Die Autorinnen stellten klar, dass damit nur die Kriegsopfer gezählt wurden, die direkt in Kriegshandlungen verwickelt waren. Die Zahl der Kriegstoten wäre um ein Vielfaches höher, wenn man noch jene Menschen hinzuzählt, die durch kriegsbedingte Zerstörungen der zivilen Infrastruktur keine angemessene ärztliche Hilfe erhalten haben. Die Kosten der nach dem 11. September 2001 durchgeführten Kriege schätzt Neta Crawford auf insgesamt 6,4 Billionen (amerikanisch: Trillions) Dollar. [2] Davon entfallen 5,4 Billionen auf die militärischen Einsätze in insgesamt sage und schreibe 80 Ländern, die die USA seit 2001 in ihre Kriege hineingezogen haben. Eine weitere Billion wird bis zum Jahre 2059 für...

Donald Trump, die Bundes­regierung und die drei Affen

Es gibt Nachrichten, die lassen einen erst einmal nach Luft schnappen. Die fahren in die Magengrube wie ein Faustschlag. Eine solche Nachricht ging am Sonntag, den 05.01.2020 über den Twitter-Account des Journalisten Elijah J. Magnier. Dies ist der übersetzte Text dieser Kurzmeldung [1]: „Wir haben heute vom irakischen Premierminister Adil Abd al-Mahdi erfahren, wie Donald Trump Diplomatie einsetzt: die USA baten den Irak, mit dem Iran zu vermitteln. Der irakische Premier bittet Quassem Soleimani, zu kommen, mit ihm zu sprechen und ihm die Antwort auf den Vermittlungsversuch zu übergeben, Trump und Co. ermorden die Gesandten am Flughafen.“   Man muss...

Spielen Sie nicht Dame mit den Großmeistern des Schachs!

Sehr geehrter Präsident Trump, in einem kürzlich erschienenen Tweet behaupteten Sie: „Die Iraner haben zwar nie einen Krieg gewonnen, aber auch noch nie eine Verhandlung verloren.“ Als Weltbürger und Veteran des Iran-Irak-Krieges 1980-1988 habe ich Erfahrungen mit den Schrecken  des Krieges gemacht, und ich habe einige Vorschläge und Antworten für Sie. Erstens würde ich Ihnen raten, die Worte „Gewinn“ und „gewinnen“ nicht zu verwenden, um  Krieg zu beschreiben, insbesondere aus der Sicht der USA. Die amerikanische Geschichte ist voll von bitteren Erfahrungen im Verlieren von Kriegen. Vietnam, Irak, Afghanistan, Syrien und sogar das Engagement im Jemen – keine dieser schrecklichen...

Lügen, die Bethlehem Doktrin und der illegale Mord an Soleimani

Die Bethlehem Doktrin wurde von Daniel Bethlehem entwickelt, als er Rechtsberater für die erste Netanjahu-Regierung war. Später war er Rechtsberater der Blair-Regierung. Die Bethlehem-Doktrin besagt, dass Staaten ein Recht auf „präventive Selbstverteidigung“ gegen einen „unmittelbar bevorstehenden“ Angriff haben. Das ist etwas, das die meisten Menschen und die meisten internationalen Rechtsexperten und Richter akzeptieren würden. Mich eingeschlossen. Was sehr wenige Menschen und die wenigsten internationalen Juristen akzeptieren, ist der Schlüssel zur Bethlehem-Doktrin: „Imminent“. Das Wort, das so bedacht von Pompeo benutzt wurde, muss hier nicht seine normale Bedeutung von „bald“ oder „kurz vor der Verwirklichung“ haben. Gemäß der Bethlehem Doktrin kann...

Soleimani wurde im Rahmen einer Friedensmission ermordet …

In seiner Verzweiflung den US-Drohnenmord an dem iranischen Generalmajor Qasem Soleimani zu rechtfertigen, bestand Außenminister Mike Pompeo darauf, dass Washington zu der „nachrichtendienstlichen Einschätzung“ gekommen sei, dass Soleimani „aktiv in der Region plane“,  amerikanische Ziele anzugreifen, bevor er getötet wurde. [1] Präsident Donald Trump rechtfertigte die schicksalhafte Entscheidung, den iranischen General zu töten, in noch deutlicherer Sprache und erklärte, Soleimani plane „bevorstehende Angriffe“ auf diplomatische Einrichtungen und Personal der USA im gesamten Nahen Osten. „Wir haben gestern Abend Maßnahmen ergriffen, um einen Krieg zu verhindern“, behauptete Trump. „Wir haben keine Maßnahmen ergriffen, um einen Krieg zu beginnen.“ Trumps zweifelhafte Begründung...

Doomsday? Atomkriegsgefahr? Wie langweilig!

Das amerikanische Wissenschaftsmagazin „Bulletin of the Atomic Scientists“ hat am 23. Januar die Zeiger seiner symbolischen Weltuntergangsuhr, die die Gefährdung der Menschheit, ja: des Planeten signalisiert, von zwei Minuten auf 100 Sekunden vor Mitternacht vorgerückt. Dies ist der dramatischste Wert seit Einführung der sogenannten ‚Doomsday Clock‘ im Jahre 1947 überhaupt. Zur Erinnerung: Selbst im Jahr der Kuba­krise lag der Wert bei „nur“ sieben Minuten vor zwölf und sogar Mitte der Achtziger Jahre, als Europa sich bei kürzesten Vorwarnzeiten vollgestopft mit atomaren Mittel- und Kurzstreckenraketen sah, war die Frist mit drei Minuten noch fast doppelt so lang wie jetzt! Glückliche Zeiten,...