Der Klima-Lügendetektor

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Der Klima Watchblog
Updated: 5 hours 52 min ago

EnBW: Der Zukunft hinterherhinken

Tue, 2019-11-05 23:33

Heute geht es um die Windkraft. Und um Deutschlands drittgrößten Energiekonzern EnBW. Denn die Windkraft wird – O-Ton der „Energie Baden-Württemberg“  – „von künftigen Generationen empfohlen“:

Toll, toll, toll!
Strom aus erneuerbaren Energien!!
EnBW, bislang Kohle- und Atom-Konzern, sagt:

Tatsächlich ist dies nicht die erste Wind-Anzeige, mit der die EnBW auf dem Klima-Lügendetektor landet. 2015 beispielsweise schaltete der Konzern seine Windkraftkampagne just in jener Woche, in der sein größtes Kohlekraftwerk ans Netz ging: Die Tochter GKM betreibt seitdem in Mannheim fünf Steinkohleblöcke, deren jüngste mindestens bis zum Jahr 2038 eine gigantische Treibhausfracht verursachen. 6,7 Millionen Tonnen sollen es im vergangenen Jahr gewesen sein, mehr als der Staat Benin in Westafrika mit seinen gut 10 Millionen Einwohnern insgesamt zu verantworten hat.

In diesem Sommer blockierten deshalb Aktivisten die Kohlezufahrt in Mannheim, um das Abschalten der Anlage zu fordern. Überwiegend junge Leute übrigens, denn von künftigen Generationen wird ja – wie EnBW selbst sagt – Windkraft empfohlen.

Lassen wir aber dieses kohledreckige Kapitel des Konzerns, es geht ja um die Windkraft! Auf den Konzernseiten lesen wir:

Donnerwetter: 45.000 Megawatt! Das ist fast 50-mal so viel Leistung, wie besagter Kohleblock 9 des Großkraftwerks in Mannheim als Bilanz ausweist.

Und, EnBW, welchen Beitrag habt ihr zu dieser Windkraft-Rally geleistet?

Moment mal: insgesamt 470 Megawatt? Das ist doch gerade einmal 1 Prozent! Ihr habt mit einem Prozent zum Windkraft-Ausbau an Land beigetragen, jener Technologie, die „von künftigen Generationen empfohlen“ wird?

OK, EnBW sucht jetzt neue Flächen für die Windenergie, und dann gibt es ja auch neue Projekte, die geplant sind, weiterhin verfolgt, konsequent vorangetrieben werden oder in Bauvorbereitung sind. Und EIGENTLICH ist es ja die Windkraft auf hoher See, mit der es EnBW vor ein paar Jahren schon einmal auf unsere Seiten schaffte. Offshore also.

Tatsächlich ist es auch die Offshore-Technik, die Gegenstand der neuen EnBW-Anzeigenkampagne ist: 100 Kilometer nordwestlich von Helgoland baut der Konzern endlich den Windpark Albatros (genehmigt im Juli 2006) und den Windpark Hohe See (ebenfalls bereits im Juli 2006 genehmigt), allerdings nur zur Hälfte, denn 49,9 Prozent steuert der kanadische Konzern Enbridge Inc. bei.

Bei EnBW heißt es nun: Windparks,

Noch nämlich ist es nicht so weit, es soll erst Ende 2019 kommerziell mit der Stromernte auf der Nordsee losgehen.

Manche mögen das als pingelig bezeichnen, aber dahinter steckt System: sich grüner machen, als man ist. Denn noch nicht mal nach mehr als 13 Jahren Planungs- und Bauzeit ist die Aussage des drittgrößten Energiekonzerns Deutschlands zu seinen neuen Windparks bezüglich der Empfehlung durch die künftige Generation richtig:

PS: Seit Jahren ist die Arbeit des Klima-Lügendetektors leserfinanziert. Noch aber fehlen Euros, um die Recherche auch über das Jahr 2019 hinaus unabhängig zu finanzieren. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit HIER

Categories: Klima

SPD: Den Anfänge(r)n wehren

Wed, 2019-10-16 19:50

„Alle reden über Klimaschutz: Wir setzen ihn seit 35 Jahren um.“

Mit diesem Slogan warb die Union für Stimmen zur Europawahl. Das Ergebnis ist bekannt, CDU/CSU fuhren ihr schlechtestes Wahlresultat ever ein.

Für die SPD lief es sogar noch schlechter. Trotzdem dachten sich die Sozialdemokraten, dass der Spruch zum Klimaschutz ganz gut ist – und schrieben ihn jetzt bei der Union ab:

Alle reden über Klimaschutz: Die SPD legt jetzt los?

Wir haben mal kurz im Archiv nachgeschlagen und deshalb ein paar Fragen an die Genossen:

  • War es nicht euer Bundesumweltminister Sigmar Gabriel, der vor 12 Jahren das neue Klimaziel für Deutschland ausrief? Minus 40 Prozent bis 2020 – hat er das nur so dahingesagt, oder wollte Gabriel loslegen?
  • Haben eure Spitzenpolitiker nicht im August 2007 auf Schloss Meseberg das „Integrierte Energie- und Klimaprogramm – IEKP“ verabschiedet, um loszulegen mit dem Klimaschutz? Wie formulierte es der spätere SPD-Vorsitzende damals doch gleich: „Ein solch umfassendes und weitreichendes Klima- und Energiepaket hat es in der Geschichte unseres Landes noch nicht gegeben.“
  • Wie lautet gleich nochmal die Passage, die ihr euch zum neuen Aufbruch, zur zweiten GroKo 2013 in den Koalitionsvertrag geschrieben hattet? „National wollen wir die Treibhausgas-Emissionen bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber dem Stand 1990 reduzieren.“
  • War es nicht euer Parteivorsitzender, der 2014 mit mutiger Politik loslegte, um das beschlossene Klimaschutz-Ziel zu erreichen? Grafisch sah das damals so aus:
  • Mit dem „Aktionsprogramm Klimaschutz 2020″, das 2014 eure Bundesumweltministerin Barbara Hendricks erarbeitet hatte, wolltet ihr gar nicht loslegen? Wofür war es denn dann gedacht?
  • „Wir müssen mehr tun“, forderte ebenjene SPD-Spitzenpolitikerin Hendricks vor der Klimakonferenz 2015 in Paris. Und da legt ihr erst jetzt los?
  • War es nicht eure Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries, die all eure Bemühungen, all euren Kampf für den Klimaschutz 2017 stolz zusammenfasste:

Alle reden über Klimaschutz: Ihr aber legt jetzt los! Das ist phantastisch, denn „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“!

Mal gucken, wie die SPD heute für den Klimaschutz losgelegt hat. Beschlossen wurden höhere Steuern auf Flugtickets, eine höhere Pendlerpauschale und günstigere Bahntickets. Konkret wird jeder Kurzstreckenflug 5,53 € teurer, Pendler bekommen ab dem 20. Kilometer 5 Cent mehr, Bahntickets sollen 12 Prozent günstiger werden.

Die Sozialdemokraten hätten ob dieser Peinlichkeit schweigen können. Sie hätten notfalls behaupten können, mehr sei aus dem Koalitionspartner nicht herauszuholen gewesen. Sie hätten versprechen können, die nächsten Schritte konsequenter, mutiger anzugehen. Aber die SPD verkauft das als den Aufbruch.

Principiis obsta. Sero medicina parata, cum mala per longas convaluere moras“, heißt es bei Ovid: „Wehre den Anfängen! Zu spät wird die Medizin bereitet, wenn die Übel durch langes Zögern erstarkt sind.“ Und wenn erwiesenermaßen nicht wirksame Substanzen der Medizin auch noch beim politischen Konkurrenten abgeschrieben werden, kann es nur heißen:

Wehret den Anfängern!

Vielen Dank an Lucia C. aus Karlsruhe für den Hinweis!

Categories: Klima

RWE: Ein neuer Versuch der Grünfärberei

Tue, 2019-10-01 22:02

Kein Unternehmen hat uns seit unserem Start 2008 so oft beschäftigt wie der Kohleriese RWE. Wenn Sie hier klicken, sehen Sie alle Texte mit dem Schlagwort „RWE“ – und Sie können dann seitenlang durchs Archiv blättern. (Was Sie dort dann lesen können, ist teilweise wirklich bizarr, versprochen!)

Heute ist uns in der Süddeutschen Zeitung wieder eine Annonce des Energieversorgers aufgefallen:

… steht da in riesigen Lettern. Und weiter:

Ach, nee, stopp! Da war uns jetzt beim Hochladen der Ausrisse die Hand auf der Maus ausgerutscht – diese beiden stammten aus einer RWE-Annonce in der Süddeutschen vom April 2008. Damals versprach RWE, künftig voll auf Klimaschutz zu setzen. Voll ganz doll, echt. Wurde irgendwie nichts draus …

Nun hat RWE erneut eine Werbeoffensive gestartet. Von der Edel-Agentur Scholz & Friends ließ man sich (wieder mal) einen neuen Markenauftritt designen, Anlass ist die Übernahme der Erneuerbaren-Sparte von Ex-Konkurrent Eon. So also sah heute tatsächlich die RWE-Annonce in der Süddeutschen aus:

Man investiere Milliarden und setze nun wirklich voll auf Erneuerbare, lautet die Botschaft. Echt, ganz ehrlich! „Klimaneutral bis 2040″ sei das Ziel der „neuen RWE“.

Wie verlogen auch diese Kampagne ist und wie schlapp das 2040-Ziel, das brauchen wir hier gar nicht aufzuschreiben – das haben heute zwei Kollegen von taz und FAZ in seltener Einhelligkeit getan. Wir zitieren im Folgenden einige Passagen aus den Texten von Ingo Arzt und Helmut Bünder. Sie können sich ja den Spaß machen und raten, welche Zitate aus dem links-alternativen und welche aus dem konservativ-wirtschaftsfreundlichen Blatt stammen:

Heuchlerische Pläne“ +++ „Peinliche Öko-Propaganda“ +++ „RWE feiert sich dafür, dass man jetzt auf Ökoenergien macht. Dabei ist der Konzern viel zu spät dran und zerstört weiterhin Dörfer für die Kohle“ +++ „Durch den selbst ausgerufenen Aufstieg in die Ökoliga wird zunächst auch kein neues Windrad und keine neue Solaranlage aufgestellt – RWE übernimmt nur Vorhandenes und erzeugt weiterhin den meisten Strom aus Kohle. Außerdem kündigt [RWE-Chef] Schmitz zwar 1,5 Milliarden Euro Investitionen in Ökoenergien im Jahr an, allerdings kaum in Deutschland.“ +++ „Der Versorger tut nur das, was die Politik ihm vorschreibt, keinen Deut mehr. Und deshalb wird RWE auch fleißig weiter Kohle verbrennen, solange man den Konzern lässt: also exakt bis 2038, dem bisher angepeilten Endjahr für den Kohleausstieg in Deutschland. Da gehört schon einiges an Chuzpe dazu, den ihm aufgezwungenen Wandel zur neuen grünen Strategie zu erklären.“ +++ „Ein großes Opfer ist der Kohleausstieg für RWE ohnehin nicht: In Deutschland kassiert er dafür Milliardenentschädigungen, in den Niederlanden 2,9 Milliarden Euro Förderung, um Kohlemeiler auf Biomasse umzurüsten. Die groß angekündigte Umstellung ist eine Anpassung an politische, gesellschaftliche und ökonomische Realitäten. Der Wandel wurde über Jahre von Umweltverbänden, Politikern, Wissenschaftlern und all denen, die für die Energiewende auf die Straße gingen, erkämpft. Gegen den Widerstand von RWE-Managern, die sich jetzt feiern lassen.“ +++ „Zum Klimawandel trägt der Essener Energiekonzern weiter erheblich bei. … Die peinliche Öko-Propaganda sollten sich die RWE-Strategen besser sparen.“

Besser hätten wir’s auch nicht formulieren können.

Categories: Klima