Nur weil etwas nicht funktioniert, ist es noch lange nicht kaputt

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Das Reparieren und Warten von gekauften Gegenständen müssen wieder in die Köpfe der Menschen gelangen. Viel zu teuer sind die Reparaturen der Hersteller im Vergleich zu einer Neuanschaffung des Produkts, dabei sind die Mängel oft sehr gering und könnten meistens von jedem selbst behoben werden – das Wissen dazu ging anscheinend in der letzten Generation verloren.


Das Repair Cafe ist eine Initiative von Martine Postma, die 2007 in den Niederlanden initiiert wurde. Es geht darum, dass Sachen nicht wegen kleiner Mängel weggeworfen werden, sondern durch kleinere oder größere Reparaturen am Leben erhalten werden können.

Ich treffe Harald Mark beim Repair Cafe in Nenzing, eines der ersten seiner Art in Vorarlberg. Harald ist Gründer des Cafes und steht mit Leib und Seele hinter dem Reparatur-Gedanken. Er ist auch eine der ersten Anlaufstellen, wenn es darum geht ein Repair Cafe in einem anderen Ort in Vorarlberg zu gründen. Eines seiner Ziele ist es, dass es in jeder größeren Gemeinde ein Repair-Cafe gibt, sodass auch die Fahrtwege für die Besucher zumutbar sind und die Hürde, das Reparieren der eigenen Geräte zu erlernen, so gering wie möglich wird. Immer wieder erzählt er mir von „weißen Flecken“ auf der Landkarte in Vorarlberg, bei denen noch Repair Cafes fehlen. Dazu gehören die beiden Regionen Bregenzerwald und Montafon – beides Regionen, in denen das Handwerk stark dominiert.

Harald erklärt mir, während wir verschiedenen Helfern beim Reparieren zuschauen, dass sie sehr auf das Gemeinwohl achten und sie auch immer nach Partnern im Ort oder in der näheren Umgebung Ausschau halten. „Wenn es jemanden gibt, der die Geräte fachmännisch reparieren kann und dafür im Bestfall auch noch eine Garantie vergibt, möchten wir ihm nicht im Weg stehen und schon gar nicht ein Geschäft wegnehmen.“ Das Ziel der Initiative ist es auch nicht nur Sachen für die Menschen zu reparieren, sondern ihnen beibringen, auf was sie achten müssen, wo es zu Problemen kommen kann und welche Möglichkeiten es gibt, die Sachen zu reparieren. Leider wird das Angebot viel zu oft als Service anstatt einer Schulung angesehen, sodass das eigentliche Ziel des Repair Cafes verwässert.

Wenn man Hilfe von einem Repair Cafe-Mitglied braucht, sollte man Zeit mitbringen. Zuerst muss man sich beim Empfang anmelden und bekommt dann eine Nummer. Die unbestimmte Wartezeit kann man mit gratis Kaffee und Kuchen und mit netten Gesprächen mit anderen Wartenden verbringen. Daher kommt auch der Name „Repair“ und „Cafe“. Es geht darum gemeinsam etwas zu reparieren und sich dabei in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen und dabei auch ein Netzwerk in der Gemeinde aufzubauen.

Auffallend viele Pensionisten sind unter den Besuchern. Auch Harald Mark bestätig mir, dass nur sehr wenige zwischen 17- und 40-jährige kommen, um ihre Sachen zu reparieren. Also ein Generationen- bzw. Wirtschaftsproblem. „Wenn Neues so günstig angeboten wird, dass es sich gar nicht erst lohnt über eine Reparatur nachzudenken, dann kann etwas nicht stimmen.” Ebenfalls auffallend ist, dass es aber einen sehr jungen Helfer in Nenzing gibt, der sich an den verschiedensten Geräten versucht. Hier ist er am richtigen Platz, denn im Repair Cafe gibt es viele Experten für die unterschiedlichsten (technischen) Bereiche. Auf die Frage warum er das macht, antwortet er mit der Idee des Repair Cafes. Sachen einfach wegwerfen, nur weil eine Schraube locker ist macht keinen Sinn, so vieles könnte repariert werden und damit wichtige Ressourcen geschont werden und der Wert für produzierte Waren wieder gesteigert werden.

Offizielle Repair-Cafe Website
https://repaircafe.org/de/


Repair-Café Nenzing
http://wiki.imwalgau.at/wiki/Repair_Caf%C3%A9_im_Walgau

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