Design for Sustainability

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Ein Résumé meiner Forschungs- und Entwicklungsarbeit in der Lehrveranstaltung Humanökologie,
an der Fachhochschule Vorarlberg

Autorin: Mathis Lena Sophia / Intermedia Master, Sommersemester 2017
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In diesem Blogeintrag möchte ich die Themen, mit welchen ich mich in dem Fach Humanökologie unter der Leitung von Roland Alton-Scheidl auseinander gesetzt habe, diskutieren. Aufgrund des Schwerpunktes Design, den ich im Studiengang Intermedia verfolge, möchte ich mich dabei auf die Gestaltung für nachhaltiges Handeln fokussieren. Der Eintrag soll meine Forschungs- und Entwicklungsarbeit in der Lehrveranstaltung dokumentieren und untersuchte Schnittstellen von Gestaltung und Nachhaltigkeit visualisieren.

Neben den zahlreichen Vorlesungen über Ökosysteme, Klimawandel und nachhaltiges Wirtschaften hat mich gleich zu Beginn das Thema des Energiekonsums dazu inspiriert, es von einer künstlerischen Perspektive zu betrachten. Da ich mich in meinem Masterstudium vor allem mit der Gestaltung von Licht beschäftige, versuchte ich Parallelen zwischen der nachhaltigen Solarenergie und dem ökologischem Bewusstsein zu finden. In meinem Forschungsprozess bin ich dann auf den amerikanischen Künstler Peter Erskine gestoßen, der mit seiner „Enviromental Art“ genau eine solche Schnittstelle visualisiert. Der Lichtkünstler versucht mit seinen Arbeiten eine Art Bewusstsein für die Schönheit der Natur zu schaffen, dessen Ressourcen begrenzt sind. Immer wieder thematisiert er dabei die Theorie des amerikanischen Ökonom Herman Daly, der die ökonomischen Probleme aus dem Standpunkt des Naturkapitales betrachtet.
Daly kritisiert vor allem die Definition der Nachhaltigkeit, welche sehr oft mit einem ökonomischen Wachstum verwechselt wird. Nachhaltigkeit hat jedoch nichts mit ständigem ökonomischen Anstieg zu tun, sondern damit, zu lernen, wie man mit den bestehenden Ressourcen richtig umgeht. Der Klimawandel ist eine große Herausforderung für die gesamte Menschheit, da er nach Lösungen verlangt, welche sämtliches Schaffen und Gewohnheiten im Bezug auf die persönliche, existenzielle Identität auf Dauer verändern. Dies fördert also zum einem das Misstrauen in eine positive Veränderung, als auch die Ignoranz für das Thema.
Aus diesem Grund hat es sich Peter Erskine zum Ziel gemacht, das Bewusstsein und Verhalten im Bezug auf den Klimawandel zu verändern und auf eine universelle Art kommunizierbar zu machen. Die Lösung dafür fand er in dem künstlerischen Umgang mit dem Solarspektrum in der Form von Lichtinstallationen.
So nutzt Erskine in seinem Projekt „Secrets of the Sun (S.O.S.) – Solar Spectrum Environmental Art“ die emotionalen Aspekte der Kunst als auch der Natur selbst, in dem er lediglich mit vorhandenem Licht, Solarenergie und Prismen arbeitet. So versucht er ein nachhaltiges Bewusstsein für die Schönheit der Natur zu schaffen (vgl. Erskine Solarart, 2017).

 

Abbildung 1: „Secrets of the Sun (S.O.S.) – Solar Spectrum Environmental Art“
Quelle: Erskine Solarart, 2017

 

Durch die Erarbeitung meiner Semesterarbeit in dem Fach Humanökologie, versuchte ich einen weiteren Bereich mit Gestaltung, als auch Nachhaltigkeit zu verbinden - die sozialen Netzwerke. In unserer derzeitigen Informationsgesellschaft findet eine enorme Beschleunigung der sozialen Vernetzung statt, digital als auch physisch. Aufgrund dieser Thematik habe ich begonnen, mich mit der relativ jungen, wissenschaftlichen Disziplin „Social Physics“ zu beschäftigen, welche sich auf solche Netzwerke und dessen Kommunikationsmuster spezialisiert. Der Gründer der Social Physics Bewegung - Alex Pentland - hat dabei die Vision, analysierte Muster von sozialer Interaktion zu nutzen, um städtische Räume zu verbessern. Unsere Mobiltelefone beginnen schon jetzt unser Verhalten der Kommunikation und Bewegung zu tracken, wissen per GPS wo wir sind oder was wir gerade über das Netz einkaufen. Eine solche Kombination aus Demografie- und Verhaltensmuster können uns helfen, die urbanen Strukturen zu organisieren und beispielsweise öffentliche Transportmittel besser zu planen und zu fördern. Außerdem können die Kommunikationsmuster sogar Krankheitsausbrüche, Knappheit von Ressourcen oder steigende Verschmutzungen voraussagen und mit wir besser dagegen ankämpfen können (vgl. Pentland 2014, S.138-145).
Um eine solche Behauptung mit einem aktuellen Beispiel untermauern zu können, möchte ich noch kurz auf das Projekt „Google Flue Trend“ eingehen, bei dem lediglich durch die Such-Muster bei Google Krankheitsausbrüche vorausgesagt werden können. Die Daten der Städte weltweit können auf der Website https://www.google.org/flutrends/about/ abgerufen werden. Die Veröffentlichung der Daten wurde vor einigen Jahren gestoppt, um sie seither an gesundheitliche Institutionen, wie beispielsweise das „Columbia University’s Mailman School of Public Health“, „Boston Children’s Hospital/Harvard“ oder Zentren zu Kontrolle und Prävention von Krankheiten weiterzuleiten (vgl. Flue Trends Team, 2015).
Diese, von Pentland vorgestellte Methode zeigen, dass die Gestaltung von Netzwerken einen großen Einfluss auf ökologische, als auch soziale Nachhaltigkeit haben kann und zudem die Zufriedenheit der Stadtbewohner steigert.

Eine weitere Möglichkeit, welche ebenfalls als Stressreduzierung in Städten eingesetzt werden kann, ist das „Urban Gardening“. Das gemeinschaftliche Gärtnern kann genauso als Schnittstelle von Design, Nachhaltigkeit und vor allem sozialer Interaktionen gesehen werden. Aus diesem Grund möchte ich zum Schluss meines Beitrages noch auf unser großes Semesterprojekt - dem „Querbeet" - eingehen. Im Frühjahr haben wir, als gesamte Master-Klasse des Studiengangs Intermedia, das Hochbeet vor der Fachhochschule Vorarlberg angebracht, um verschiedenste Arten von Obst und Gemüse zu pflanzen. So beschreibt der Name „Queerbeet“ nicht nur die unterschiedlichen Sorten, sondern auch die erwünschte Toleranz für Diversität in der Gesellschaft. Anne Diegel, Alexandra Kraler und ich entwarfen das Logo des Projektes und kümmerten uns dessen Kommunikation. Nachdem wir uns ein Konzept überlegten, bei welchem wir die Pflänzchen über Patenschaften an Studenten und Lehrkräfte der Fachhochschule vermittelten, begannen wir eine Info-Tafel als auch kleine Holz-Steckerchen für die Pflanzen zu entwerfen. Sie dienen den Pflänzchen als Patenschafts-Urkunde, Namensschild und sind zugleich Schlüsselanhänger für den Besitzer.

 

Abbildung: Steckerle Garten
Quelle: Ausarbeitung durch das Kommunikationsteam des Queerbeets / Online auf: http://queerbeet.labs.fhv.at

 

Auch hier zeigt sich wiederum die Gestaltung, die das Gemeinschaftsgärtnern reizvoller inszenieren soll und somit das nachhaltige Handeln fördert.
An dieser Stelle möchte ich jedoch noch kurz anmerken, dass die Kommunikation des Queerbeets doch noch eine recht große Herausforderung darstellte. Als kleine Kommunikationsgruppe von anfänglich drei Personen muss ich zugeben, dass ich mich teilweise auch ein wenig überfordert fühlte. Zwar konnte ich im Rahmen einer internen Veranstaltung ein paar Paten anwerben, dennoch war die Kommunikation noch nicht vollständig durchgedrungen. Mit Ende des Semesters baten noch weitere Mitstudenten Hilfe in der Kommunikation und der Entwicklung einer informativen Webseite an, wofür ich mich an dieser Stelle herzlich bedanken möchte.
Alles in allem kann ich sagen, dass ich durch meine Forschungs- und Entwicklungsarbeit so einiges gelernt habe, vor allem was das Thema soziale Interaktion und Netzwerke betrifft. Das gemeinsame Gärtnern hat sehr viel Spaß gemacht und auch hier möchte ich nochmal sehr positiv betonen, dass die gesamte Gruppe unglaublich viel Engagement in der Umsetzung des Projektes gezeigt hat. Ich freue mich sehr auf das abschließende Gartenfest am 6. Juli, bei dem wir noch weitere Patenschaften vergeben und das geerntete Obst und Gemüse gemeinsam genießen können.

 

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QUELLENVERZEICHNIS:

Literatur:

Pentland, Alex (2014): Social Physics. How Good Ideas Spread - The Lessons from a New Science. New York: The Pinguin Press.

Internetquellen:

Erskine Solarart (2017): Erskine Solarart. Online im Internet: URL: http://erskinesolarart.net

FlueTrends Team (2015): The Next Chapter for Flu Trends. Online im Internet: URL: https://research.googleblog.com/2015/08/the-next-chapter-for-flu-trends.html

Queerbeet (2017): Queerbeet: Diversity Planting Project - Vorarlberg University of Applied Sciences. Online im Internet: URL: http://queerbeet.labs.fhv.at

 

 

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